Caspar David Friedrich
Wie romantisch!
Vor seinen Bildern hält die Zeit an: Der Himmel, die Berge, das Meer – und mittendrin staunend und sehnend der Mensch. Im Beschauer wollte er eigene Empfindungen wecken, »und wären sie auch nicht die seinen«. Tatsächlich inspirieren Caspar David Friedrichs Werke Kunst- und Kulturschaffende bis heute. Walt Disney etwa deckte sich bei einem Besuch in Deutschland mit Bildbänden ein, um damit den Raum seiner Zeichner zu tapezieren. Im Zeichentrickfilm »Bambi« läuft das kleine Reh erkennbar durch Caspar-David-Friedrich-Landschaften. Samuel Beckett inspirierte »Mann und Frau in Betrachtung des Mondes« zu seinem Stück »Warten auf Godot«. Dabei veränderte der irische Dramatiker die Botschaft des Malers: Die beiden Menschen sind allein in der Landschaft, aber nicht mehr bezogen auf Gott, sondern verloren und ohne Sinn. Sie warten auf einen, der nicht existiert. Von diesen und anderen Spuren, die Caspar David Friedrich hinterlassen hat, erzählt Florian Illies in seinem Buch »Zauber der Stille. Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeit« (S. Fischer). Dass Friedrichs Werke so offen sind für verschiedene Interpretationen hat seine Schattenseiten: Die Nazis feierten, dass darin »das ewige Deutschland immer wesentliche Züge seiner Seele in reiner Verkündigung« erblicke. Tatsächlich war Friedrich ein Patriot, der von einem einigen Deutschland träumt, in dem die Fürsten nichts mehr zu sagen hatten. Doch der Demokrat und fromme Protestant malte keine Propagandabilder, sondern die Natur als Feier ihres Schöpfers. Fast alle seine Figuren nehmen eine Haltung der Kontemplation ein, sind ehrfürchtige Betrachter. Die Bilder bleiben »bedeutungsoffen, man ist sich nie ganz klar, ob sie die deutsche Seele wirklich erheben – oder nicht doch eher ein bisschen runterziehen«, schreibt Illies.
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