Sklaverei im 21. Jahrhundert
Billig, weil aus Sklavenhand gefertigt
Um das Wort »Sklaverei« zu vermeiden, es als überwundene Phase der Geschichte darzustellen, werden immer wieder andere Bezeichnungen gesucht. »Zwangsarbeit« zum Beispiel. Dieser Begriff ist nicht falsch, doch er trifft nicht den Kern, sondern »verharmlost und verschleiert eher das Problem«, schreibt Dietmar Roller, Experte für Entwicklungszusammenarbeit. In dem Buch »Ware Mensch«, das er zusammen mit seiner Kollegin, der Journalistin Judith Stein, geschrieben hat, erklärt er: »Ich glaube, wir brauchen das Wort Sklaverei auch, weil wir darüber stolpern.« Roller war lange Zeit als Berater für Nichtregierungsorganisationen tätig. Er hat über 30 Jahre Projekterfahrung in über 100 Ländern und ist Vorstandsvorsitzender der Menschenrechtsorganisation »International Justice Mission Deutschland«, die weltweit Menschenhandel und Sklaverei bekämpft. Seine Schilderungen alarmieren: 40 Millionen Menschen sind in Sklaverei, in absoluten Zahlen wohl so viele wie nie zuvor. Eindringlich schildert er ihre Situationen: in den Goldminen von Tansania, Kinder als Haushaltshilfen in Haiti, Zwangsprostitution in Europa, Schuldknechtschaft in Asien, als Lockvögel im Internet, als Arbeitssklaven in Europa oder beim Abbau von begehrten Mineralien. Deutlich wird: Die Sklaverei ist wie ein Chamäleon, wandelbar, anpassungsfähig, gut getarnt, mitten in unserem Leben.
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