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Bildung
»Demokratie gelingt nicht von allein«

Wie können Kinder sie einüben? Tanja Urban über eine Tagung der evangelischen Akademie Bad Boll.
von Markus Dobstadt vom 19.03.2024
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Publik-Forum: Frau Urban, Ihre Tagung beschäftigt sich damit, wie Kinder und Jugendliche zu Demokraten werden. Was müssen sie dafür lernen?

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 6/2024 vom 22.03.2024, Seite 48
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Tanja Urban: Sie müssen wissen, wie demokratische Entscheidungen zustande kommen oder was Gewaltenteilung ist. Aber Faktenwissen allein reicht nicht aus. Genauso wichtig sind psychosoziale Fähigkeiten, um die geht es bei unserer Tagung.

Welche Fähigkeiten meinen Sie?

Urban: Heranwachsende sollten lernen, ohne Angst und mit Respekt zu streiten, sich in die Position anderer hineinversetzen zu können und empathisch zu sein. Sie brauchen Frustrationstoleranz, da sie nicht alle Wünsche erfüllt bekommen und Kompromisse schließen müssen. Es braucht Mut, um die eigenen Werte vor anderen zu vertreten. Und Solidarität mit Schwächeren.

Wie kann man Kinder und Jugendliche dabei unterstützen?

Urban: Das wird bei der Tagung Thema sein in Vorträgen, Workshops und Podiumsdiskussionen. Wir haben das Kinderhaus Spatzennest aus Lonsee in Baden-Württemberg eingeladen. Dort betreuen Kinder Hühner und übernehmen für sie Verantwortung. In einem »Spatzenrat« diskutieren die Kinder Wünsche, zum Beispiel, wohin der nächste Ausflug geht. Wir haben auch Schulen eingeladen, die von ihren Erfahrungen berichten. Und das Projekt »Dorfraum-Entwickler*innen« der evangelischen Landeskirche der Pfalz. Dort überlegen Jugendliche, die auf dem Land leben, was sie in ihrem Umfeld verändern möchten, und debattieren darüber mit Bürgern und Vertretern der Kommunalpolitik. Ein wichtiger Lernort für Kinder ist die Familie, aber wenn es dort an Empathie und Unterstützung fehlt, können auch öffentliche Einrichtungen viel bewirken.

Sie beschäftigen sich auch mit den Gefährdungen der Demokratie?

Urban: Wir fragen nach dem Zustand unserer Demokratie und was sie stärken könnte. Die Probleme, die von der Politik zu lösen sind, wie der Klimawandel oder internationale Krisen, werden immer komplexer. Dadurch entsteht bei vielen ein generelles Gefühl der Überforderung und Gereiztheit. Zu lernen, wie man respektvoll streitet, ist daher ganz wichtig.

Dass mehr als dreieinhalb Millionen Menschen, darunter auch Kinder und Jugendliche, in den vergangenen Wochen gegen Rechtsextremismus demonstriert haben, ist doch ein ermutigendes Zeichen, oder?

Urban: Das ist sehr ermutigend, aber Demokratie ist nie sicher. Man kann sie mit demokratischen Mitteln wieder abschaffen. Demokratie gelingt nicht von allein, sie braucht Förderung. Der US-amerikanische Pädagoge John Dewey hat gesagt: »Demokratie muss in jeder Generation neu geboren werden und Bildung ist ihre Hebamme.«

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