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Missbrauch
Unmögliches für möglich halten

Die geschwätzige Sprachlosigkeit beenden: Das Theaterstück »Kinderhäuser« bringt sexuellen Kindesmissbrauch in Münster auf die Bühne – und fordert die Zuschauenden auf, sich zu positionieren.
von Christoph Fleischmann vom 22.04.2024
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Sie können über das scheinbar Unmögliche reden: Martin Schmitz und Melanie Hach. (Foto: Sandra Then)
Sie können über das scheinbar Unmögliche reden: Martin Schmitz und Melanie Hach. (Foto: Sandra Then)

Beim Publikumsgespräch nach der Theateraufführung bedankt sich die Schauspielerin Melanie Hach bei den Zuschauern. Dafür, dass niemand während der Vorstellung gegangen ist. Ein ungewöhnlicher Dank. Aber an diesem Abend ist im Stadttheater Münster vieles ungewöhnlich: Das Stück »Kinderhäuser« ist keine fiktionale Dramatisierung, sondern aufgrund gründlicher Recherchen der Autorin und Regisseurin Karen Breece entstanden: Was die Schauspielerinnen und Schauspieler vortragen, entspricht wahren Begebenheiten. Zwei der fünf Darsteller sind zudem keine professionellen Schauspielerinnen, sondern wie Melanie Hach Menschen, die von eigenen Missbrauchserfahrungen berichten. Und nicht zuletzt ist auch das Publikum an diesem Abend anders: Beim Gespräch nach dem Stück wird deutlich, dass einige der Anwesenden aus dem Ortsteil Münster-Kinderhaus kommen, der nicht nur dem Stück den Namen gegeben hat, sondern auch traurige Bekanntheit erlangt hat durch eine Laube in der Kleingartenanlage Am Bergbusch: Dort wurden Kinder sexuell gequält und dabei gefilmt. Der Haupttäter, ein Computerprofi, war Teil eines großen Netzwerkes, das Aufnahmen solcher Verbrechen teilte. Das weltweite Darknet hatte und hat aber Ankerpunkte in der wirklichen Welt: In Münster-Kinderhaus kannte man den gequälten Jungen, den Täter, seinen Stiefvater, und die Mutter, die nach dem Urteil der Gerichte vom Missbrauch gewusst hat.

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