Kap der Ewigkeit
Bremerhaven, ein Augusttag 2011. Das Schiff legt ab mit seinen 1080 Passagieren und 450 Mann Besatzung. Riesig kommt es mir vor. Es ist ein schöner Abend, das Wetter verspricht gut zu werden. Langsam verschwindet die Küste. Das weite Meer, ab und an die Positionslichter eines anderen Schiffes. Die Artania auf dem Weg zum Nordkap und ich dabei als Bordseelsorger. Das erste Abendessen, sehr freundliche Bedienung, erste Bekanntschaften am Tisch. Eine Achtzigjährige aus Magdeburg erzählt mir, dass das schon ihre vierte Fahrt sei. Dann die Vorbesprechung mit Frankie (wir duzen uns hier alle), dem Chef des Unterhaltungsprogramms, denn um 21 Uhr findet in der Atlantic Lounge der Begrüßungsabend statt. Alle Bordkünstler geben eine Probe ihres Könnens, Sänger, Musiker, Tänzer, Zauberer, Artisten. Und dann stellen sich auch die Tageskünstler vor – Tageskünstler, das sind Menschen, die tagsüber, besonders an sogenannten Seetagen, ihre »Kunst« anbieten: eine Ärztin, die über gesundes Anti-Aging spricht, ein Lektor, der Vorträge über Arktis und Antarktis hält, und – der Bordseelsorger. Auf die Bühne marschieren, vorgestellt werden von Frankie (unser Bordpastor hat ’nen guten Draht zu Petrus), drei Sätze sagen und dann wieder ab. Ich bin sozusagen der »religiöse Tageskünstler«. Und als solcher stelle ich mich auch vor, sage kurz, was ich vorhabe, erzähle einen geistlichen Witz und ernte freundlichen Beifall.
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