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Antisemitismus in Deutschland
«Ich kann so nicht weiterleben«

Der Nahostkonflikt wird auch auf deutschen Straßen ausgetragen. Palästinensische Demonstranten rufen antisemitische Parolen und greifen Synagogen an. Wie erleben Juden in Deutschland diese Aggressionen? Drei Berliner berichten von ihren Alltagserfahrungen.
vom 22.05.2021
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Natürlich verärgert mich das, wenn antisemitische Parolen geschrien werden. Aber auf eine gewisse Weise langweilt es mich auch. Als Jude hat man sich da ein dickes Fell angelegt. Ich lebe jetzt seit 1998 in Deutschland. Den ersten großen Schock habe ich im Jahr 2000 erlebt, als Demonstranten beim Al-Quds-Tag durch die Straßen zogen. Ein Mann hatte da ein Kind auf der Schulter, das als Attentäter verkleidet war mit einer Bomben-Attrappe vor dem kleinen Bauch. Das hat die Polizei damals auch erlaubt. Deswegen haben mich die jüngsten Ereignisse auch nicht mehr schockiert, es ist halt immer das Gleiche. Aus meiner Sicht tragen auch die Medien in Deutschland dazu bei. Wenn man kürzlich Radio gehört hat, lief es ungefähr so ab: 6 Uhr: Meldung, Israel attackiert Gaza. 9 Uhr: Meldung, Israel attackiert Gaza. 11 Uhr: Studio-Diskussion darüber, warum der Israel-Hass in Deutschland wächst. Warum wundern sich die Journalisten da? Einerseits wird zu viel über Israel berichtet, es gibt viele schlimme Konflikte in der Welt, die gar nicht vorkommen. Und dann wird Israel immer als Aggressor dargestellt, obwohl die Hamas seit zwanzig Jahren Raketen abfeuert. Ich bin vorsichtig mit dem Vorwurf des Antisemitismus, aber ich frage mich schon, woher diese Obsession mit dem jüdischen Staat kommt.

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