Zum Tod von Margot Friedländer
»Seid Menschen!«
Als ich Margot Friedländer im vergangenen Jahr traf, begegnete mir eine resiliente 102-Jährige mit vollem Terminkalender. Eine Frau, die sich immer wieder ihrer selbst gesetzten Aufgabe stellte, aus der düstersten Zeit ihres Lebens zu berichten. Damit wollte sie verhindern, dass Menschenfeindlichkeit noch einmal überhandnimmt – wie damals, als sie jung war und die Nazis ihre Familie auslöschten. Eine Frau, die sich ihrer Traumata bewusst war und gelernt hatte, nicht über jede Schrecklichkeit, die ihr widerfahren ist, sprechen zu müssen, um das Gedenken an die Opfer des Holocaust aufrechtzuerhalten. Die gerne unter Menschen war – unter Politikerinnen und Politikern, Kulturschaffenden, aber vor allem unter Kindern und Jugendlichen. Die ihre Katze liebte und sich an den Blumen auf ihrem Balkon erfreute.
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