Die Lager formieren sich
Als Georg Bätzing im März zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt wurde, war landauf, landab zu lesen, dass man ihm zutraue, in dem Gremium versöhnend und ausgleichend zu wirken. Realistisch betrachtet war das schon damals nicht viel mehr als ein frommer Wunsch. Denn wie soll man zwischen Lagern ausgleichen, die sich in wichtigen Fragen völlig uneins sind? Der (zahlenmäßig) größeren Gruppe der refomwilligen und nachdenklich-selbstkritischen Bischöfe steht eine einflussreiche und verbal kraftmeierisch auftretende Schar von »Oberhirten« entgegen, die vermutlich erst dann beruhigt sein wird, wenn das Reformprojekt »Synodaler Weg« scheitert oder zumindest folgenlos im Sande verläuft. Dass Bätzing überhaupt gewählt wurde, lag daran, dass diese (Klein)Gruppe ihren eigenen Kandidaten nicht durchbringen konnte. Dass Bätzing im Vorfeld der Wahl nicht durch sonderlich aufregende Wortmeldungen aufgefallen war, dürfte ihm die Stimmen der konservativ gesinnten Amtsbrüder gesichert haben. Doch Insider widersprachen schon am Wahlabend der Deutung, er sei ein blasser Kompromisskandidat.
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