Luxus
Den Luxus gönne ich mir«, sagt eine Bekannte immer dann, wenn sie sich, wie sie weiter sagt, »eine persönliche Kleinigkeit« kaufen möchte. – Und dann gönnt sie sich etwas Schönes. Es handelt sich um eine sehr wohlhabende Bekannte, und ich habe den Satz »Den Luxus gönne ich mir ...« aus ihrem Mund nie so recht verstanden, bis ich bei entsprechender Gelegenheit erlebte, dass die Ärmste zwar über ein dickes Bankkonto verfügt, jedoch zugleich auch über eine gehörige Portion Geiz. Also bedeutet für sie jede noch so kleine Anschaffung eine ziemliche Quälerei. Soll ich, oder soll ich nicht? Eigentlich brauche ich das doch gar nicht. Lass lieber dein Geld auf dem Konto liegen, pocht ihr Gewissen. Denn eine Alternative kennt die gute Bekannte nicht. Den Reichtum für andere Menschen, gar für soziale Zwecke einzusetzen käme ihr niemals in den Sinn. Also hat sie sich neulich eine Feinstrumpfhose mit Seidenglanz für 45 Euro gegönnt. »Welch ein Luxus«, sagt sie und kann sich bis heute noch nicht darüber freuen. Ich an ihrer Stelle würde die Strumpfhose aus dem Haus schaffen. Vielleicht umtauschen? Aber was sollte sie mit der Gutschrift anfangen? Die Lage ist vertrackt. Ich dachte immer, Luxus sei etwas, worüber man sich erfreut. Nun komme ich ins Grübeln: Was ist überhaupt Luxus? Ich frage das Lexikon: »Luxus ist jeder persönliche Aufwand, der eine von der sozialen Umwelt als normal empfundene Lebenshaltung übersteigt«, erklärt mir die Brockhaus Enzyklopädie. Und was eine »normal empfundene Lebenshaltung« ist, das kann sich ändern, von Zeit zu Zeit, von Epoche zu Epoche. Luxus ist relativ, erfahre ich durch die Literatur. »Man versehe mich mit Luxus«, sagte Oscar Wilde, »auf alles Notwendige kann ich verzichten.« Doch was ist das Notwendige? Vielleicht ist gerade das Notwendige, auf das man heute verzichten muss, purer Luxus. Der Duden deutet Luxus schnöde mit den Worten »Verschwendung, Prunksucht«. Als wäre er in der Zeit Rousseaus geschrieben worden, der behauptete: »Luxus verdirbt alle, sowohl die Reichen wie die Armen.« Einspruch, denke ich: Luxus beruhigt – ebenso wie Reichtum. Aber ist nicht auch Reichtum genauso relativ wie Luxus? Für Aristoteles Onassis war ein Millionär vielleicht nur ein armer Mann.
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