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Toxische Frömmigkeit
Leben mit einer Gottesvergiftung

Religiöse Verirrungen in der Jugendzeit verlieren sich nicht spurlos im Sande. Im Laufe des Lebens muss man sich ihnen stellen und damit umgehen lernen. Eine persönliche Rechenschaft.
von Christoph Fleischmann vom 07.05.2026
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(Illustration: Jens Bonnke)
(Illustration: Jens Bonnke)

Habe ich wirklich eine »Gottesvergiftung«? Als ich das gleichnamige Buch des Psychiaters Tilmann Moser vor einigen Jahren zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich: Nein, so schlimm war es bei mir zum Glück nicht. Der Anfang dieses Jahres verstorbene Tilmann Moser hat in seinem Buch aus dem Jahr 1976 einen fiktiven Brief an Gott geschrieben und rechnet mit ihm ab wegen seiner Jugend in einer pietistischen Gemeinde, der seine Eltern angehörten und in die er quasi hineingeboren wurde. Nein, so war es bei mir nicht. Aber beim zweiten Lesen des Buches im vergangenen Jahr hatte ich das Gefühl: Es war aber vielleicht doch genauso schlimm, auch wenn es anders war bei mir. Anders waren die Umstände meiner Gottesvergiftung. Und anders als Moser habe ich keine Abrechnung mit Gott zu führen, sondern mit mir selber. Was es für mich nicht leichter macht.

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