Lebensraum mit Zukunft
Mehr als die Hälfte der Menschen weltweit lebt in Städten,Tendenz steigend. Doch auch für Tiere sind Städte außerordentlich anziehend. Das merken wir, wenn frühmorgens von Hausdächern und Bäumen ein vielstimmiger Vogelchor ertönt. Messungen zeigen, dass manche Vögel, wie Amseln und Nachtigallen, lauter singen, wenn in der Großstadt der Verkehrslärm anhebt. Arme Vögel, möchte man als vom Lärm geplagter Stadtmensch sagen. Aber warum sind sie da, wo sie doch überall hinfliegen könnten? Ornithologen wissen: In der Stadt gibt es mehr Vögel als auf gleich großen Flächen des normalen Umlands. In Berlin nisten mehr Vogelarten als in den meisten unserer Vogelschutzgebiete. Hamburg schneidet dank seiner Lage im Einflussbereich des Meeres noch besser ab. München bietet immerhin der Hälfte aller Vogelarten, die in Bayern brüten, Lebens- und Fortpflanzungsmöglichkeiten. Auf jeden menschlichen Stadtbewohner kommt wenigstens ein Vogel, oft zwei oder drei. Manchen Vögeln geht es in Stadtparks und in alten Friedhöfen, in denen das Lebendige nicht zu Tode gepflegt wird, zweifellos besser als an wildromantischer Felskulisse oder in Wäldern. In Stadtparks müssen Bäume keine Holzerträge liefern. Sie dürfen alt und bizarr werden, und aus dem großen ausgefaulten Astloch kann ein Kauz schauen. Wanderfalken horsten an Türmen und Fassaden hoher Bauwerke und ziehen am Kölner Dom oder am Turm eines Münchner Heizkraftwerks ihre Brut groß. Nahrung gibt es in Form der Stadttauben genug. Eier und Jungfalken sind nicht gefährdet durch Kletterer, die sie an den Naturfelsen stören. Auch werden die Falken in ihren Stadtrevieren kaum jemals abgeschossen. Sie tun es den Weißstörchen, Schwalben, Spatzen nach: Diese Kulturfolger lernten die Menschenwelt bereits vor Jahrhunderten oder Jahrtausenden kennen und schätzen.
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