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Erich Kästner
»Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!«

Erich Kästner hörte sich nach Kriegsende die zweifelhaften Rechtfertigungsversuche seiner deutschen Zeitgenossen an. Heute konfrontieren uns seine Tagebücher mit der Frage, wann und wie wir widerstehen müssen.
von Udo Feist vom 15.10.2024
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Kluges Moral-Barometer: Erich Kästner notierte Schuldzuweisungen und Entschuldigungen nach 1945 (Foto: ullstein bild / Felicitas Timpe)
Kluges Moral-Barometer: Erich Kästner notierte Schuldzuweisungen und Entschuldigungen nach 1945 (Foto: ullstein bild / Felicitas Timpe)

Als Deutschland am 8. Mai 1945 bedingungslos kapituliert, ist Erich Kästner (»Fabian oder Der Gang vor die Hunde; »Emil und die Detektive«; »Lyrische Hausapotheke«) mit großem Filmteam im Tiroler Mayrhofen. Er konnte das nur dank frisierter Papiere. Das Drehen dort, angeblich für den Endsieg, ist aber eh ein Fake: Die Kameras sind leer, es gibt kein Filmmaterial. Die Amerikaner haben den Ort bereits zuvor erreicht. Am 8. Mai notiert Kästner in sein Tagebuch: »Was sie getan hätten, sei unsere Aufgabe gewesen. Wir, die deutsche Minorität, hätten versagt. Das ist ein zweideutiger Vorwurf. Sie ignorieren ihre Mitschuld. Die Sieger, die uns auf die Anklagebank verweisen, müssen sich neben uns setzen. Es ist noch Platz. Wer hat denn, als längst der Henker bei uns umging, mit Hitler paktiert? Konkordate abgeschlossen? Handelsverträge unterzeichnet? Athleten zur Olympiade nach Berlin geschickt? Wer hat denn den Verbrechern die Hand gedrückt statt den Opfern? Wir nicht, meine Herren Pharisäer!« Auch in den Wochen danach beschäftigt ihn die Frage nach der Verantwortung.

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