Pfingstgemeinden
»Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler«
Das ist unser Raum für unsere Partys am Freitag.« Pastor Daniel Brandt steht auf der Bühne des modernen Kirchsaals, der an eine Konzerthalle erinnert. Er begrüßt die Jugendlichen der pfingstkirchlichen Elim-Gemeinde in Hannover. »Gott hat gesagt: ›Nehmt den Raum für den Move hier oben.‹ Das ist kein Zufall, das ist ein Plan Gottes«, jubelt der Pastor, und die Jugendlichen antworten mit lautem »Yes« und »Amen«. Eine Szene unmittelbar vor der Corona-Pandemie – und eine typische Szene für eine Pfingstgemeinde. Bevor der Gottesdienst beginnt, kommt das Vorbereitungsteam noch einmal zusammen. »Let’s go. Lasst uns beten.« Jeder der rund ein Dutzend Jugendlichen betet halblaut für sich; manchmal ergreift eine das Wort und bittet um die Unterstützung Gottes für diesen Abend. Während sich im Saal die Jugendlichen auf den Gottesdienst einstimmen, begrüßt das »Welcome Team« im Foyer des Gemeindezentrums die ersten Gottesdienstbesucher. Jeder bekommt ein kleines Präsent mit einer Süßigkeit. Willkommenskultur wird in den Pfingstgemeinden ganz großgeschrieben. Auf die Neuen geht man gezielt zu. Vanessa steht an der Bar im Foyer und verkauft Getränke. Sie ist noch nicht so lange dabei; vor Kurzem wurde sie getauft. Die Pfingstkirchen kennen keine Kindertaufe: Hier entscheidet man sich als Jugendliche oder Erwachsene bewusst für Jesus – selbst wenn man schon mal als Kind getauft wurde. Diese zweite Taufe, diese Wiedertaufe, ist bis heute ein Konfliktpunkt zwischen den Landeskirchen und den Pfingstkirchen. Und es bleibt bei den Pfingstlern nicht bei einigen Tropfen Taufwasser – der ganze Körper wird untergetaucht. Vanessa war beeindruckt: »Man fühlt sich wie neugeboren, unbeschreiblich. Man wird ja mit seinen Sünden, mit seinem alten Leben begraben, und wenn man aus dem Wasser hochkommt, ist man ein neuer Mensch. Man ist frei.«
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Michael Hollenbach ist Journalist für Religionsthemen in Hannover.

