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Gewalt gegen Frauen
»Ich habe NEIN gesagt«

Zehn Jahre nach der Aufdeckung von sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche wird klar: Auch Frauen sind massiv betroffen. Übergriffe auf sie sind alltäglich. Nicht nur Einzeltäter tun ihnen Gewalt an. Das System ist frauenverachtend. Zwei Fälle von vielen.
von Anna Althaus , Sr. Pauletta Fabrizius* vom 20.11.2020
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Sind es Hunderte? Oder Tausende? Sexuelle und spirituelle Gewalt betrifft Frauen in der katholischen Kirche in viel größerem Ausmaß, als bislang angenommen. (Fotocollage: istockphoto)
Sind es Hunderte? Oder Tausende? Sexuelle und spirituelle Gewalt betrifft Frauen in der katholischen Kirche in viel größerem Ausmaß, als bislang angenommen. (Fotocollage: istockphoto)

Ich war 55 Jahre, als ich das erlebte, was ich strukturelle, sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche nenne. (…) Am 20. Januar 2014 taucht beim Generalvikar ein Brief auf, der mich eines sexuellen Verhältnisses mit dem Priester beschuldigt, bei dem ich als Pfarrhausfrau arbeitete. (…) Zu diesen anonymisierten Vorwürfen sollte ich schriftlich Stellung nehmen. Dieses Vorgehen ging für mich ganz und gar nicht. Ich erlebte mich verleumdet und wurde vom Generalvikar aufgefordert, meine Schuld oder Unschuld zu gestehen. Das hatte etwas von Inquisition und passte nicht ins 21. Jahrhundert. Ich verweigerte die Auskunft und bat um den Namen des Briefschreibers, um rechtliche Schritte einleiten zu können. Als Reaktion wurden der Pfarrer und ich für Aschermittwoch zu getrennten Terminen zum Gespräch vorgeladen. Dem Pfarrer wurde dabei eröffnet, dass es nicht nur diesen Brief gebe. Nein, auch dem für mich zuständigen Abteilungsleiter sei zugetragen worden, von wem, das könne leider nicht gesagt werden, dass es Doppelzimmer bei einer Fortbildung gegeben hätte. (…) Bei nächster Gelegenheit, und das war der nächste Supervisionstermin mit den Kollegen, wollte ich mir Klarheit verschaffen. So fragte ich, wer der Zuträger des Abteilungsleiters sein könnte. Es war peinliches Schweigen. Keiner hatte eine Ahnung und niemand hatte etwas gesagt. In der Pause nahm mich mein Nebenstellenleiter zur Seite und erzählte. Er sei vom Abteilungsleiter angerufen und befragt worden, was er über ein Verhältnis wisse. Es gebe da einen Brief über Doppelzimmer und was er dazu meine und ob es Schwierigkeiten mit mir gäbe. Nein, Schwierigkeiten gebe es nicht, aber vorstellen könne er sich schon, dass da sexuell eventuell möglicherweise was laufen könnte. Er habe uns mal auf einer Fortbildung gesehen. Dann schaute er mich an und sagte: »Du hast doch was mit dem, oder nicht?« Ich war geschockt. Da fantasiert tatsächlich die gesamte hierarchische Linie von oben nach unten, vom Generalvikar über den Abteilungsleiter bis zum Nebenstellenleiter, über mein Sexualleben. (…) Nachdem ich mich wieder gefasst hatte, sagte ich: »Sag einfach, was du weißt, und wenn es nicht der Wahrheit entspricht, dann zeige ich dich wegen Verleumdung an.« Am nächsten Tag hat er seine Aussage gegenüber dem Ordinariat zurückgenommen. Er entschuldigte sich beim Pfarrer und bei mir für seine unwahren Äußerungen. Der Pfarrer wurde entlastet, in dieser Sache nicht weiter kontaktiert und es wurden keine weiteren Erklärungen von ihm gefordert. (…)

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