Russland
Memorial droht das Aus
Da ist wahnsinnige Wut und ein ständiger Adrenalinrausch.« Ewelina Rudenko befindet sich in diesen Tagen im Ausnahmezustand. Am Telefon erzählt die junge Historikerin, wie sie vor vier Jahren kurz vor Abschluss ihres Studiums zu Memorial kam, dem ältesten und bekanntesten Menschenrechtsverband Russlands. Sie geht voll darin auf: »Ich weiß gar nicht, wo ich jetzt ohne Memorial wäre.« Die 24-Jährige gehört zum Nachwuchs der landesweit bedeutendsten Organisation für die Aufarbeitung des politischen Terrors der Sowjetzeit; jemand wie sie sollte die Zukunft sein. Doch die steht für Memorial International in Russland jetzt auf dem Spiel. Innerhalb weniger Wochen ist die Zwangsauflösung zu einem greifbaren Szenario geworden. In einem Prozess vor dem Obersten Gericht wird eine Klage der russischen Generalstaatsanwaltschaft verhandelt, die genau das fordert.
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