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Buchbesprechungen
Gesellschaft, Glaube, Geschichte

Sieben neue Bücher spannen den Bogen von DDR-Literatur über Wirtschaftsethik und die amerikanische Revolution bis zum Feminismus im Alltag.
vom 06.10.2026 Vorgelesen von einer künstlichen Stimme.
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Carsten Gansel
Ausradiert?
Reclam. 382 Seiten. 28 €

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Das persönlich gehaltene Buch beschreibt weniger, wie die Literatur der DDR nach 1990 verschwand, sondern gibt eine differenzierte Geschichte nonkonformistischer DDR-Literatur. Der in der DDR aufgewachsene und später als Literaturprofessor in Westdeutschland lehrende Autor zeigt, dass die DDR-Literatur nicht nur affirmativ, sondern von Anfang an ein »aufstörendes Element« war. Sie erfüllte hohe ästhetische Ansprüche. Gansel erinnert an bekannte Namen wie Christa Wolf oder Stefan Heym. Dass DDR-Autorinnen und -Autoren nach der Wende die Rolle einer moralisch-politischen Instanz abgesprochen wurde, zeuge vor allem von Unkenntnis. Gegenüber der Literatur, aber auch gegenüber der Rolle, die ihr in einer geschlossenen Gesellschaft zukam. Im zweiten Teil, der von der Entfernung der DDR-Literatur aus dem öffentlichen Gedächtnis handelt, wiederholt sich der Autor zu oft, was dem lesenswerten Buch einen Anflug von Agitation verleiht. Jürgen Israel

Dieter Hirsmüller
Die Liebe
Herder. 230 Seiten. 25 €

Der Coach und Unternehmensberater Hirsmüller entfaltet zwei Grundthesen: Die Liebe sei eine »Urkraft unseres Menschseins«, die als Potenzial in jedem Menschen vorhanden sei. Zweitens: Ein humaner Fortschritt der Menschheit gelinge nur, wenn die Menschen lernen, diese Urkraft zu pflegen, zu entfalten und so in der Liebe (zu sich selbst und zu anderen) zu wachsen: »Säe Liebe und du wirst Liebe ernten.« Der Autor stützt sich auf Erfahrungen, Einsichten und Grundannahmen der Humanistischen Psychologie, religiöser Mystiker und spiritueller, vor allem christlicher Traditionen. Auch persönliche Erfahrungen fließen ein. Da es ihm um praktische Lebenshilfe geht, bietet das Buch immer wieder Fragen und Anregungen zum Weiterdenken und -arbeiten, praktische Übungen, Meditationen und unterstützende Texte. Das Buch ist lebensnah und verständlich geschrieben. Gut bedient ist mit diesem Ratgeber, wer sich erstmals oder neu auf den Weg persönlichen Wachstums begeben will. Dass der Autor am Ende die Liebe mit Gott gleichsetzt, überrascht nicht. Hartmut Meesmann

Otfried Höffe
Der gierige Staat
Alber. 220 Seiten. 29 €.

Der Autor, emeritierter Professor an der Universität Tübingen, ist einer der angesehensten Philosophen des Landes. In 20 kurzen Texten aus den letzten rund 20 Jahren vermittelt Höffe »Bausteine für eine gerechte Wirtschaft«. Das Spektrum der Themenfelder reicht von der angemessenen Bezahlung für Spitzenmanager über die Reichensteuer und die Steuermoral des Staates bis zur (verneinten) Frage, ob Geld glücklich macht. Beklagt wird die hohe Staatsquote des Bruttoinlandsproduktes von mehr als 50 Prozent, wobei der Inhalt differenzierter ausfällt, als der plakative Titel vermuten lässt. Der Reiz der Abhandlungen, die oft ethische Fragen berühren, besteht nicht zuletzt darin, wie ein Philosoph, ein Kritiker der Staatsverschuldung, in einer prägnanten Sprache wirtschaftlichen Problemen auf den Grund geht. Sein Plädoyer für eine Verbindung von »Ökonomie und Ethik« überzeugt. Eckhard Jesse

Martin Thoms
Die biblische Urgeschichte
Evangelische Verlagsanstalt. 240 Seiten. 25 €

Der Autor, Doktorand im Fach Systematische Theologie, nennt sich »Theologe, Prediger, Autor, Dozent und Berater«; all diese Aspekte lassen sich im Buch finden. In 14 Essays untersucht Thoms die ersten elf Kapitel des Buches Genesis auf ihre anthropologische und theologische Aussage – als »Spiegel der Menschheit«, wie der Untertitel verheißt. In seinen engagierten, teils etwas redundanten Ausführungen zu den Themen der »Urgeschichte« plädiert Thoms immer wieder dafür, die Texte nicht als historische Berichte zu lesen, sondern als mythenhafte Erzählungen über einen liebevollen Gott, der Leben spenden will und nicht Strafe oder Rache im Sinn hat. Erstaunlich ist der Wechsel zwischen anspruchsvollen wissenschaftlichen Darlegungen und alltagssprachlich-nachlässigen Formulierungen beziehungsweise predigthaften Ermahnungen. Angaben zu gelegentlich erwähnter oder vertiefender Literatur fehlen leider ganz. Anneli Baum-Resch

George Augustin/Marco Benini/Ingo Proft (Hg.)
Gebet und Geheimnis
Herder. 344 Seiten. 58 €

Anlässlich der Emeritierung von Andreas Redtenbacher als Lehrstuhlinhaber für Liturgie an der Vincenz Palotti University in Vallendar sind in diesem Sammelband Beiträge zur Spiritualität aus der Liturgie veröffentlicht. Ziel ist, die Tiefendimension einer lebendigen Liturgie in der Praxis freizulegen und den persönlichen Zugang zur Liturgie zu erweitern. Sammelbände dieser Art vereinen Artikel sehr unterschiedlicher Perspektiven. Einige Perlen für liturgisch Interessierte finden sich – etwa ein Beitrag zu schöpfungstheologischen Perspektiven oder zur Entwicklung deutscher Messen. Sie sind aber schwer zu identifizieren angesichts der Fülle. Auffallend ist, dass es sich überwiegend um männliche Autoren handelt und vermutlich aus diesem Grund auch Aspekte einer geschlechtergerechteren Liturgie keine Beachtung finden. Mathias Wolf

Sarah M.S. Pearsall
Freiheit
Übersetzt von Andreas Wirthensohn.
Rowohlt Berlin. 494 Seiten. 34 €

In dem Buch der amerikanischen Geschichtsprofessorin geht es um »eine neue Geschichte der amerikanischen Revolution« von 1763 bis zur Unabhängigkeitserklärung 1776, in der zum ersten Mal in der Geschichte des Westens fundamentale Menschenrechte wie das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück staatsrechtlich verankert wurden. Pearsall geht originell vor: Jedes Kapitel startet mit einem Schauplatz der global wirksamen Revolutionsgeschichte, zeigt, wie verwoben »die amerikanische Entwicklung in einen größeren Rahmen von Transformationen« ist, sodass die Perspektive den »Auswirkungen der Welt auf die amerikanische Revolution« gilt. Die Revolution feiert die Macht des Volkes, »während sie gleichzeitig die Interessen einer begrenzten Anzahl elitärer weißer Männer vertrat«. Die akribisch erzählte, anschauliche, mit eigener und fremder Forschung unterlegte Geschichte ist ein Glanzstück der amerikanischen Geschichtsschreibung. Norbert Copray

Evelyn Höllrigl Tschaikner
The daily feminist
Kösel. 268 Seiten. 20 €

So nicht! Täglich etwas ändern, konkret und im Kleinen – also in Bereichen, die den Alltag ausmachen. Unterhaltsam und fundiert gibt die Autorin 199 konkrete Handlungstipps für Gleichberechtigung in der Familie, im Beruf und in der Kultur. An Erfahrungen junger Eltern orientiert, benennt die Autorin die Herausforderung für junge Mütter, im Familienalltag genügend Räume für Konzentration auf eigene Projekte zu finden. Beispiele und Zahlen verdeutlichen, wie kompliziert Gleichberechtigung für junge Eltern im Alltag umzusetzen ist. Aber die Autorin zeigt dabei Wege auf – im Buch muntermachend rot markiert, etwa: Erziehungsarbeit gleichberechtigt zu verteilen, gemeinsame Zeit mit Kindern wertzuschätzen, nicht von »nur Teilzeitarbeit« zu sprechen. Ziel der Autorin ist es dabei nicht, männliche Muster zu boykottieren, sondern konsequent Platz zu schaffen für andere Perspektiven und anderes Handeln: Mikrofeminismus eben. Marie-Luise Habbel

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Schlagwörter: Feminismus Gesellschaft Glaube
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