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Leserbrief
Verheißung verstehen

vom 02.09.2025
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Die Sätze im Alten Testament, die Abraham das Land zwischen Euphrat und Nil als künftiges Siedlungsgebiet der Juden verheißt, sind sehr einfach zu verstehen. Sie sind wahrscheinlich in der babylonischen Gefangenschaft (am Euphrat) entstanden und von Rabbinern geschrieben worden. Dass diese frommen Leute in ihrer trostlosen Lage am Rande des Nahen Ostens und damit fern ihrer Heimat die Wunschvorstellung entwickelten, das ganze Gebiet vom Euphrat bis zum Nil zu besitzen und zu bevölkern, ist doch sehr verständlich. Problematisch ist natürlich, dass noch heute sehr viele Juden darin eine göttliche Verheißung sehen, die noch zu erfüllen ist. Sie dient zur Rechtfertigung der Besiedlung des Westjordanlandes durch jüdische Siedler und der Verdrängung der Palästinenser aus dem Gazastreifen. Ob das von den Autoren der Tora gewollt war, ist allerdings höchst fraglich. Ahnen konnten sie dies jedenfalls nicht. Rudolf Walter, Frankenthal

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 17/2025 vom 05.09.2025, Seite 62
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