150 Jahre Paula Modersohn-Becker
Der weibliche Blick
Sie malte sich selbst nackt und schwanger – und schuf damit im Frühjahr 1906 den ersten weiblichen Selbstakt, den die Kunstgeschichte kennt. Paula Modersohn-Becker brach mit ihrem »Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag« gleich mehrere Tabus. Denn mit dem eigenen Körper war auch Schwangerschaft etwas, das eine anständige Frau eher verbarg als ausstellte. Die Künstlerin war zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht schwanger. Im Gegenteil hatte sie sich gerade gegen ein Leben als Ehefrau und Mutter entschieden, ihren Mann und ihre Stieftochter in Worpswede zurückgelassen. In Paris malte sie radikale Werke. Sie ahnte nicht, dass sie im Jahr darauf sterben würde, mit nur 31 Jahren. Sie hinterließ 734 Gemälde und über 1000 Zeichnungen, mutige Werke, die erst nach ihrem Tod richtig gewürdigt wurden. Sie reduzierte Landschaften, Gesichter, Körper auf ihre Form, zog kräftige Umrisslinien, trug Farbe dick auf, ritzte mit dem Pinselstiel hinein. Das alles waren No-Gos in der akademischen Malerei. Sie malte expressionistisch, bevor es ein Wort dafür gab. Was wäre aus ihr geworden, hätte sie noch ein paar Jahrzehnte gelebt?
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