Kolumne Von Peter Otten
Kommunion mit Hund
Wenn es die Zeit erlaubt, schenke ich Cilli montags eine Stunde. Die betagte Dame hat früher nicht weit von der Agneskirche gewohnt. Ich habe sie kennengelernt, als ich ihren Bruder beerdigt habe. Und dann einmal in der Woche besucht. Wir haben dann zusammen Mittag gegessen. War keine Zeit zum Kochen, habe ich vom Mittagsimbiss gegenüber etwas mitgebracht: Lauchcremesuppe, Chili con Carne oder Kartoffelsalat mit Frikadellen. Dann gab’s bei Cilli im Wohnzimmer eine stille Kommunion. Oben am Tisch haben wir beide vor unseren Tellern gesessen. Und unten am Tischbein hat Greta an ihrem Napf gestanden. Cilli hat Wert darauf gelegt, dass der Hund immer etwas abbekommt. »Ich krisch nix runter, wenn der Hund nix hat«, hat sie in dunklem breiten Dialekt gesagt. Sie hat immer erst mit dem Essen angefangen, wenn ich Greta etwas von ihrer Frikadelle oder von dem »Carne« ihres Chilis hingeschoben habe. Manchmal schickte sie mich in die Küche etwas holen, einen Löffel oder Servietten. Kam ich zurück, sah ich aus demAugenwinkel, wie Cilli dem Hund verstohlen den Rest ihrer Frikadelle gab. Natürlich habe ich so getan, als hätte ich das nicht gesehen.
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Peter Otten, geboren 1969, ist Pastoralreferent in St. Agnes, mitten in Köln. Dort lebt er mit seiner Frau und Seelsorgehund Greta. Die Kolumne schreibt er im Wechsel mit Anne Lemhöfer und Fabian Vogt.

