Schwarze Stimmen
Im Kindergarten hatte David Mayonga das erste Mal dieses Gefühl. Dort hörte er den Satz, der ihn ein Leben lang geprägt hat: »Ein Neger darf nicht neben mir sitzen.« So hat der Sozialpädagoge und Rapper, aufgewachsen in einem bayrischen Dorf, auch das Buch genannt, in dem er über sein Leben als Schwarzer Deutscher schreibt. (»Schwarz« ist großgeschrieben, weil es sich um eine politische Selbstbezeichnung handelt.) »Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen«, hat die Kölner Journalistin Alice Hasters aufgeschrieben. Und bereits 2008 hat Noah Sow, Publizistin, Dozentin und Künstlerin aus Bayern, mit »Deutschland Schwarz Weiß« das Standardwerk zu Rassismus in Deutschland verfasst. Diese drei Bücher von Deutschen, die unter Rassismus leiden, sind sehr persönlich und fordern die Leserin gleichzeitig auf, sich selbst kritisch zu hinterfragen. »Rassismus zu bekämpfen heißt zunächst einmal, ihn zu verstehen. Dieser Prozess wird für Angehörige der Mehrheitsgesellschaft nicht schmerzfrei vonstatten gehen können«, erklärt Sow. Dazu gehört, das eigene Selbstbild als »gute« Weiße erschüttern zu lassen und sich seiner Privilegien bewusst zu werden. Hasters schreibt: »Weiße sollten merken, dass ihre Hautfarbe und ihre Herkunft ebenso von Bedeutung sind wie bei allen anderen auch. Weiße waren es, die Menschen rassifiziert und uns voneinander getrennt habe. Sie profitieren bis heute davon, so wie nicht-weiße Menschen bis heute noch die Nachteile dessen spüren.«
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Das koloniale Erbe
