Lyrik nach der Shoa
»Soviel zu segnende Asche«
Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.« Dieser viel zitierte Satz stammt von Paul Celan, aus seinem berühmten Gedicht »Todesfuge«. Er schrieb es vermutlich schon 1945, unmittelbar nach der Ermordung seiner Eltern. Es ist eines der frühesten literarischen Zeugnisse der Shoah. Die »Todesfuge«, die heute so oft bei Gedenkfeiern vorgetragen wird, war zunächst ein umstrittenes Gedicht. Celan wurde vorgeworfen, zu schön vom Schrecklichen zu reden. Das literarische Urteil seiner Zeitgenossen traf ihn tief, denn für ihn war dieses Gedicht »eine Grabschrift und ein Grab«: »Auch meine Mutter hat nur dieses Grab«, schrieb Celan Ende 1959 an Ingeborg Bachmann.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden
Lydia Koelle arbeitet als freie Autorin und Theologin in Bonn und Düsseldorf. 1997 erschien ihre Dissertation über Paul Celan;
2014 ihre Broschüre »Deutsches Schweigen. Der Vergangenheit
Gegenwarten im Familiengedächtnis, in Literatur, Religion
und öffentlichem Raum«.

