Wie die wilden Kerle leiden
Es ist der Nachmittag des 19. November 2011. Babak Rafati liegt in der Badewanne seines Kölner Hotelzimmers, die Pulsadern aufgeschnitten, den Kopf blutig geschlagen, bereits bewusstlos. Eigentlich sollte er als Fußballschiedsrichter ein Spiel der Ersten Bundesliga pfeifen. Doch dazu kommt es nicht. Eine schwere Depression hatte den damals 41-Jährigen in den Suizidversuch getrieben. Stress, vielfältiger Druck, falscher Ehrgeiz, der Wunsch, immer perfekt zu funktionieren, Mobbing, die Angst zu versagen – und die Unfähigkeit, Hilfe anzunehmen: All das brachte den Mann an den Rand des Todes. Zum Glück retten die beiden Schiedsrichter-Assistenten ihren Chef. Babak Rafati wird ins Leben zurückgeholt. Begeistert ist er darüber am Anfang nicht. Auch gegen die folgende Psychotherapie wehrt sich der gebürtige Iraner zunächst. »Ich bin nicht krank, der Suizidversuch war ein Aussetzer, ich schaff das schon«, sagt er immer wieder. Über Gefühle sprechen? Auf den Atem achten? Auf die Signale des Körpers hören? Firlefanz. Ich bin doch ein Mann!
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