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Erinnerungskultur
Wieder gut?

Die Deutschen sind stolz darauf, wie gut sie ihre Gewaltgeschichte »bewältigt« haben. Jeder vierte will nun einen Schlussstrich unter die NS-Zeit ziehen, jeder zweite endlich wieder unverkrampft die Nation preisen. Schlaglichter auf eine unbehagliche Entwicklung.
von Anne Strotmann vom 29.05.2023
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In Beton gegossenes Schweigen:Das »Denkmal für die ermordeten Juden Europas« wurde 2005 in Berlin eröffnet. Rechten ist es als »Denkmal der Schande« ein Dorn im Auge, aber auch Befürworter des Gedenkens an die Shoah kritisierten die Umsetzung. (Foto: istockphoto/lore)
In Beton gegossenes Schweigen:Das »Denkmal für die ermordeten Juden Europas« wurde 2005 in Berlin eröffnet. Rechten ist es als »Denkmal der Schande« ein Dorn im Auge, aber auch Befürworter des Gedenkens an die Shoah kritisierten die Umsetzung. (Foto: istockphoto/lore)

Ein Telefonat mit meiner Mutter. Sie will wissen, woran ich gerade arbeite. »Deutsche Erinnerungskultur«, antworte ich knapp, »aber ich weiß noch nicht, wie ich anfangen soll.« »Erzähl’ doch von deiner Urgroßmutter«, sagt sie. »Warum?«, frage ich, ein bisschen genervt, denn mit einer deutschen Opfererzählung wollte ich angesichts sechs Millionen ermordeter Juden nun wirklich nicht starten. »Ich weiß doch kaum was über sie«, sage ich. Zumindest hab’ ich keine Ahnung, ob sie in den zwölf Jahren Nationalsozialismus glühende Hitler-Verehrerin oder Mitläuferin war oder bei ihr auf dem Hof Zwangsarbeiter gearbeitet haben.« »Nee, Hitler-Verehrerin war sie sicher nicht«, sagt meine Mutter. »Woher weißt du das?« »Na, sie ist immerhin zweimal vertrieben worden.«

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