Pro und Contra
Macht Geld den Fußball kaputt?
Seit Jahren beobachten wir Fans viele Entwicklungen des Profifußballs mit Sorge: Korruption und fehlende Vielfalt scheint in Verbänden und Vereinen genauso an der Tagesordnung zu sein wie kurzfristiges Denken und schlechtes Wirtschaften. Der sportliche Wettbewerb wird immer stärker von wirtschaftlichen Fragestellungen überlagert. Das Kapital von Investoren untergräbt die solide Arbeit der Vereine ohne Geldgeber. Die finanzstarken und dadurch sportlich erfolgreicheren Vereine profitieren dann auch noch überproportional von der Verteilung der Einnahmen der Ligen. Das lässt die Schere zwischen großen und kleinen Vereinen immer weiter auseinander gehen.
In der Corona-Krise haben Fans mit der von einer halben Million Menschen unterstützten Initiative Unser Fußball und detaillierten Konzeptpapieren aufgezeigt, dass es einen grundlegenden Wandel im Profifußball braucht: Wir fordern die Rückkehr zu ausgewogenen Wettbewerbsbedingungen mit einer gleichmäßigeren Verteilung der TV-Gelder und Regulierungen zum Stopp von Finanzdoping. durch Investoren. Als gesellschaftliches Vorbild muss der Profifußball endlich seiner sozialen und ökologischen Verantwortung gerecht werden. Mit eingetragenen Vereinen als Basis und demokratisch-transparenten Entscheidungsprozessen soll sich der Fußball zukunftsfähig aufstellen und die Interessen von Fans berücksichtigen.
Die Kommerzialisierung und die Entwicklungen der letzten Jahre lassen sich nicht von heute auf morgen rückgängig machen. Nach der Corona-Krise darf es aber kein Weiter-so geben. Die gesellschaftliche Bedeutung des Publikumssports Profifußball muss in den Mittelpunkt des Handelns gestellt werden, sonst verliert das Kulturgut Fußball endgültig seine Faszination und verkommt zum reinen Entertainment-Produkt.
Matthias Drobinski:
Nein, Geld ist der Stoff des Spektakels!
Wann wurde Deutschland zuletzt Fußball-Weltmeister? Wer jetzt sagt: keine Ahnung, bei Fußball bleibt die Glotze aus – die oder der ist fein raus. Wer aber am 13. Juli 2014 den deutschen Finalsieg bejubelte, voriges Jahr Bayern München in der Championsleague die Daumen drückte oder jetzt den Abstieg von Schalke 04 betrauert, steckt mitten im Dilemma.
Die Klage der Fans, dass der Kommerz das Spiel kaputt macht, klingt so laut wie ihr Gesang im Dortmunder Signal-Iduna-Park. Aber alle, alle machen mit. Alle wollen Wunderspieler und Dream-Teams, die Spannung, Dramatik, Emotion liefern. Die Vorstellung der Fans, Teil historischer Siege oder epischer Niederlagen zu sein, funktioniert nun mal nicht ohne Fallhöhe. Dass Frischauf Wiesengrün aus der Kreisklasse absteigt, ist weder episch noch historisch.
Für all das braucht es Geld. Der Spitzenfußball ist Teil einer globalen Unterhaltungsindustrie geworden, wie die Film- und Musikbranche. Nur dass dort Glamour und Luxus unhinterfragter Teil der Selbstdarstellung sind, während die Heldenerzählung beim Fußball vom verschwitzten Kicker aus der Zeit handelt, als der Fußball noch ehrlich war. Aber wann war er das? 1953, als die Spieler verbotenes Handgeld kassierten? 1971, als bestochene Profis Spiele absichtlich verloren?
Das Geld ist der Schmierstoff im globalen Fußball, es sorgt dafür, dass der Ball rollt. Und paradoxerweise sorgen die Kritiker der Entwicklung dafür, dass es so bleibt. Sie sollten darauf drängen, dass dieses Geld wenigstens ansatzweise fair verteilt wird, der Breitensport und die Antirassismus-Initiativen in den Stadien genügend abbekommen, die Vereine Polizeieinsätze rund um die Spiele mitfinanzieren. Oder sie schalten den Fernseher aus, geben die Dauerkarte zurück – und kicken selber eine Runde.
Manuel Gaber, geboren 1993, ist Mitinitiator der Fan-Initiative Unser Fußball, die sich für einen basisnahen Fußball einsetzt. Sein Fan-Herz schlägt für den SC Freiburg. Matthias Drobinski, geboren 1964, ist Reporter bei Publik-Forum. Viele Jahre spielte er in der Münchner Hobbyliga, jetzt wechselte er ablösefrei zum Hobby-Team des SV Teutonia Köppern.

