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Kommentar
Vor der letzten Weiche

Ein Bahnstreik ist kein normaler Arbeitskampf. Deshalb müssen sich die Kontrahenten jetzt endlich einigen.
von Michael Schrom vom 18.03.2024
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Nötigung zum Schienenersatzverkehr (Zeichnung: Mester)
Nötigung zum Schienenersatzverkehr (Zeichnung: Mester)

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut / an allen Ecken tönt es von Geschrei« – so beginnt das berühmte Gedicht »Weltende« von Jakob van Hoddis aus dem Jahr 1911. Der Expressionist fand eindrückliche Bilder für das kollektive Unbehagen einer zutiefst verunsicherten Gesellschaft. Das Gedicht handelt von abstürzenden Dachdeckern, steigenden Meeresspiegeln, hartnäckigem Schnupfen und entgleisten Zügen. Liest man es heute, assoziiert man sofort die Baukrise, den Klimawandel, die Corona-Epidemie, die Dauerdemonstrationen und den Bahnstreik. Warum aber ist für den Dichter ein zusammenbrechender Eisenbahnverkehr ein Vorbote für das Weltende? Darüber kann man nur spekulieren, aber die Vermutung liegt nahe, dass der damals noch junge Eisenbahnverkehr ein ungeheueres Versprechen in sich barg: Freiheit und Mobilität für alle, unabhängig von Status und Geldbeutel. So ist es bis heute. Autofahren ist individuell, Fliegen elitär (zumindest war es das einmal), Bahnfahren hingegen kollektiv und ökologisch.

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