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Wenn Konzerne das Kaufen lehren

Kann man gemeinsam mit McDonald’s und Edeka für gesunde Ernährung kämpfen? Und das auch noch in der Schule? Ministerin Ilse Aigner ist da zuversichtlich. Andere weniger. Fragen an Anne Markwardt von foodwatch
von Eva-Maria Lerch vom 24.03.2013
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Anne Markwardt von foodwatch glaubt nicht, dass Ilse Aigners Konzept für den Ernährungs-Unterricht in den Schulen Sinn hat. (Foto: Foodwatch)
Anne Markwardt von foodwatch glaubt nicht, dass Ilse Aigners Konzept für den Ernährungs-Unterricht in den Schulen Sinn hat. (Foto: Foodwatch)

? Frau Markwardt, an den Schulen soll ein Fach »Verbraucherbildung« eingeführt werden, um Kinder zu bewusstem Konsum zu erziehen. Brauchen wir Unterricht im Kaufen?

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! Es ist sicher nicht falsch, mit Kindern und Jugendlichen darüber zu sprechen, was sie essen und einkaufen. Aber sie haben ohnehin einen vollen Stundenplan. Und eigentlich ist es auch nicht einzusehen, warum sie eigens die Schulbank drücken müssen, um hinter die Tricks und Irreführungen der Lebensmittelindustrie zu kommen.

? Ein »Bündnis für Verbraucherbildung« macht sich für das Unterrichtsfach stark. Es besteht aus Verbraucherzentralen, Banken und Konzernen und wird von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner mit Steuermitteln unterstützt. Sind Sie, die »Essensretter« von foodwatch, ebenfalls beteiligt?

! Nein. Wir halten es für grundfalsch, dass der Staat bei der Ernährungsbildung gemeinsame Sache mit Konzernen macht, die größte Profite mit Softdrinks und gezuckerten Frühstücksflocken machen.

? Stattdessen arbeitet die Burger-Kette McDonald’s im Bündnis mit. Ebenso wie Edeka, Metro, Rewe und Tchibo.

! Der Fuchs kriegt den Auftrag, die Hühner zu hüten. All diese Unternehmen sind doch mitverantwortlich, dass so viele Kinder fehlernährt und übergewichtig sind! Die Lebensmittelindustrie hat eine Kennzeichnung ihrer Produkte mit Ampeln für den Fett- und Zuckergehalt blockiert. Die Ampel wäre eine klare Information, gerade für Kinder gewesen. Edeka baut die Süßigkeiten direkt an der Kasse auf, damit die Kleinen danach greifen. McDonald’s lockt mit Spielzeugen zu Burgern und Cola. Wenn man ausgerechnet diese Firmen einlädt, Verbraucherbildung zu machen, ist das wie ein Freibrief, mit dem sie sich als verantwortungsvolle Firmen inszenieren können.

? Umsatzstarke Unternehmen wie McDonald’s hätten besonderen politischen Einfluss, argumentiert das Bündnis. Dadurch könnten sie die Kultusminister bewegen, das neue Unterrichtsfach einzuführen.

! Das ist eines der aberwitzigsten Märchen, das mir bisher untergekommen ist. Die Lebensmittelindustrie ist Teil des Problems und nicht der Lösung.

? Aber hat so ein Bündnis nicht auch Einfluss auf die Firmen? Vielleicht ändert McDonald’s ja seine Speisekarte und bietet gesunde, vitaminreiche Kost für junge Leute an?

! Schön wär’s. Erfahrungen, die in den USA mit solchen Public-private-Partnerships gemacht wurden, beweisen das Gegenteil. Wissenschaftliche Analysen ergaben, dass Versuche, gemeinsam mit der Industrie gegen Fettleibigkeit oder Herzerkrankungen vorzugehen, gescheitert sind. Und McDonald’s verkauft nach wie vor Cola und Pommes mit Spielzeugbeigaben.

? Aber wie sollen Kinder sonst lernen, gesund zu essen und einzukaufen?

! Zuallererst indem man dafür sorgt, dass ihnen nicht an jeder Ecke Ungesundes aufgedrängt wird. Zudem gibt es auch sehr gute Lehrkonzepte und Ernährungsführerscheine von den Verbraucherzentralen und der Stiftung Warentest. Da wird gekocht, geschmeckt und gemeinsam gegessen. Weil gesundes Essen ja auch richtig gut schmeckt.

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Personalaudioinformationstext:   Anne Markwardt, geboren 1981, ist Expertin für Kinderlebensmittel bei der Verbraucherorganisation foodwatch. Sie lebt in Berlin.
Schlagwort: Schulen
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