Christian Führer ist tot
Der große Redner konnte am Ende nicht mehr sprechen: Christian Führer quälte sich knapp zwei Jahre mit einer Lungenfibrose. Die Kraft zum Atmen schwand mehr und mehr. Am heutigen Montag verstarb Christian Führer im Alter von 71 Jahren. Im Uni-Klinikum Leipzig konnte nur noch sein Tod festgestellt werden, als er in den Morgenstunden als Akut-Fall eingeliefert wurde.
Um Christian Führer wurde es nach 1989 keinesfalls still. Er setzte nicht nur die Friedensgebete fort, sondern erhob seine Stimme immer und immer wieder, um gegen Ausgrenzung und Entrechtung von Menschen in der neuen, bundesdeutschen Gesellschaft vorzugehen.
In »seiner« Kirche saßen sie alle: die Angehörigen der entführten deutschen Ingenieure auf dem Höhepunkt des Irak-Krieges oder die Menschen, die um ihre Arbeitsplätze bei der Reudnitzer Brauerei bangten. Aber auch die, die sich um den Frieden in Afghanistan sorgten.»Kirche, offen für alle« nannte Christian Führer das. Für ihn war die Volkskirche nicht tot, weil er ihren Namen anders erklärte: Wenn die Kirche »für das Volk« da sein wolle, müsse sie eine »Kirche für alle« sein. Es gehe um ihre prinzipielle Offenheit – und nicht um die Frage, wie viele Christinnen und Christen die Institution offiziell ihren Statistiken hinzufügen könne. Christian Führers Freiheit und Unabhängigkeit vom kirchlichen »Marktdenken« speiste sich vor allem aus seinen Erfahrungen zu DDR-Zeiten. Da erlebt er, dass sich zur Kirche sowieso nur jene bekannten, die bereit waren, dafür Repressalien in Kauf zu nehmen.
Führers entschiedenes Christsein und dessen positive politische Folgen würdigte die Bundesrepublik Deutschland noch vor wenigen Tagen mit der Verleihung des Deutschen Nationalpreises. Den Preis nahm in Berlin stellvertretend für ihren Vater Tochter Katharina entgegen. Christian Führer war zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in der Lage, öffentlich aufzutreten.
Für Publik-Forum schrieb er im Verlauf vieler Jahre zahlreiche Texte und bestritt mit uns zusammen mehrfach Kirchentagspodien in Ost und West. Die Zeitschrift, die mehr und mehr zu seiner geworden war, würdigte er aus Anlass ihres vierzigjährigen Bestehens als »heilig ohne Schein«.
