Ethische Geldanlagen trotz Eurokrise
Die Finanzkrise hat nicht »nur« Banken in die Pleite getrieben. Sie hat vielen Anlegern die Augen dafür geöffnet, dass sie eigentlich gar nicht wissen, wo sich ihr Geld herumtreibt. Viele wollten plötzlich wissen, wo es denn »arbeitet« und fanden heraus, dass es nicht für die Ziele arbeitet, die ihnen wichtig sind. Dann suchten manche alternative Anlageformen und fanden sie: Nachhaltige Geldanlagen, die bestimmte Investitionsziele wie Waffen, Kinderarbeit, Atomkraft, Nahrungsmittel ausschließen und/oder andere bevorzugen: wie erneuerbare Energiequellen, sparsame Nutzung von Ressourcen, biologische Landwirtschaft, Öko-Investitionen oder auch bestimmte Wohn- und Sozialprojekte.
Markt für nachhaltige Geldanlagen verdoppelte sich
Nach einer Umfrage aus dem Jahre 2009 erwarteten 70 Prozent der Deutschen, dass ihr Kreditinstitut gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Entweder, indem es soziale oder ökologische Produkte fördert, oder zumindest nachhaltige Anlageprodukte anbietet. So viele, wie dies in Umfragen wünschten, kehrten zwar den konventionellen Anlagen nicht den Rücken. Dennoch boomten vor allem die kleinen Banken, die das Geld ihrer Kund/innen nur nachhaltig anlegen: die GLS-Gemeinschaftsbank, die Umweltbank, die Ethikbank oder die Triodos-Bank.
Und auch so manch konventionelle Bank erlebte plötzlich Bankkunden, die nicht nur nach der Rendite fragten, sondern auch danach, wofür ihr Geld arbeitete. Bankberater, die darauf nicht antworten konnten, hatten es deutlich schwerer. Insgesamt wuchs der Markt für nachhaltige Geldanlagen von 2008 bis 2011 von rund 25 Milliarden Euro auf rund 57 Milliarden Euro an.
Die Eurokrise fördert die Angst
Doch die Angst um das Geld als Folge der Eurokrise hat die Prioritäten vieler Anleger wieder verändert – und die Finanzberatung auch: Jetzt geht es vor allem um Sicherheit. Das ist durchaus verständlich. Und nichts spricht dagegen, gerade jetzt in das eigene Heim zu investieren.
Auf dem Anlagemarkt kann die Angst um das Geld jedoch zu Investitionen verleiten, die schwerwiegende Folgen haben. So raten viele Bankberater von deutschen Staatsanleihen ab, weil die Zinsen niedriger sind als die Inflationsrate. Sie empfehlen statt dessen Investitionen in Gold und Silber, weil diese Edelmetalle im Wert steigen, wenn der Euro fällt. Kein Wort fällt dann meist darüber, unter welch harten sozialen Bedingungen diese Metalle abgebaut werden – und welche ökologischen Zerstörungen der Abbau verursacht.
Andere wiederum setzen auf Fonds, die Geld in die verschiedensten Rohstoffe investieren. Die breite Streuung soll Sicherheit schaffen. Dabei ist jedoch das Risiko groß, dass Kleinanleger plötzlich in Nahrungsmittel investieren, so dass deren Preise steigen und viele Arme weltweit ihr Essen nicht mehr bezahlen können. Wer hier nicht nachfragt, kann leicht in Geschäfte verwickelt werden, die den eigenen sozialen und ökologischen Idealen widersprechen.
Manche Banken lassen die Kunden entscheiden
Zugegeben. Es gibt auch ethische Geldanlagen, die nicht das halten, was die Anbieter versprechen. In manchem ethisch gehandelten Aktienfonds befinden sich Wertpapiere von Unternehmen, mit denen sich viele nicht identifizieren. Und vor einem Missverständnis sei ohnehin gewarnt: Die Begriffe »ethisch« oder »nachhaltig« machen Anlagen nicht sicherer. Auch Windkraftanlagen können fehlerhaft sein, auch Solarkraftwerksbauer können scheitern, siehe Solar Millenium.
Dennoch schließen sich Sicherheit und Ethik ebenso wenig aus wie Ethik und Gewinn. So sind Anlagen bei den genossenschaftlich organisierten Instituten GLS-Bank und Ethikbank zu 100 Prozent gesichert – und sie bringen höhere Zinsen als deutsche Staatsanleihen. Im Gegensatz zu Staatsanleihen kann der Kunde bei diesen Banken beeinflussen, wo seine Gelder investiert werden. Beides geht auch bei der Umweltbank, die allerdings nur bis zu 100.000 Euro haftet. Doch die Zinsen für Spargelder sind etwas höher. Wer ein leichtes Risiko verkraften kann, erzielt bei der Umweltbank auch höhere Renditen für ökologische Beteiligungsmodelle. Und auch konventionelle Banken bieten auf Nachfrage immer wieder interessante und kreative Anlagemöglichkeiten, die Investitionen mit gutem Gewissen ermöglichen.
Es gibt mehr sichere und ethische Geldanlagen als je zuvor
Klar ist: Sichere Geldanlagen sind heutzutage wichtiger denn je. Allerdings braucht niemand soziale und ökologische Ideale für die Sicherheit zu opfern, da es mehr nachhaltige Alternativen gibt als je zuvor.
