Königinnen im verseuchten Slum
Vier kleine Mädchen in hellblauen Schuluniformen sitzen dicht an dicht in der Bank. Wenn sie die englischen Sätze von der Tafel in ihre Hefte übertragen, müssen sie die Arme eng am Körper halten, damit sie die anderen nicht aus der Bank stoßen. Ihre Schulbank ist eigentlich nur für zwei Schüler gebaut – aber mehr Platz gibt es hier eben nicht. Auch das Klassenzimmer, in dem die dichtgedrängten Kinder sitzen, ist denkbar karg: Aus den Fensterluken fällt kaum Licht, die Mauern sind grau und unverputzt, durch die dünnen Wände dringt der Lärm der Nachbarklassen. Es gibt keinen Schulhof, kein Lehrerzimmer und keine Sanitärräume: Die großen Kinder müssen zehn Minuten bis zur nächsten öffentlichen Toilette laufen – die Kleinen benutzen einen Eimer. Man muss nicht bei einer deutschen Schulbehörde arbeiten, um die Schule in Agbogbloshie unzumutbar zu finden.
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Rund 250 000 Tonnen Elektroschrott landen Schätzungen zufolge jedes Jahr in Westafrika – ein Großteil davon stammt aus Europa. Erlaubt ist das nicht: In der Europäischen Union (EU) gibt es Gesetze, die die Ausfuhr von Müll untersagen. Diese Regelungen werden aber hintergangen, indem kaputte Elektrogeräte als Gebrauchtware gekennzeichnet werden – dann dürfen sie ausgeführt werden. Ausgediente Computer, Handys und Waschmaschinen landen so auf Müllhalden wie Agbogbloshie in Accra. Kinder, die den Müll nach brauchbaren Teilen und Edelmetallen durchsuchen, leiden unter Kopfschmerzen, Schwindel und Hautausschlägen. Die giftigen Dämpfe, die beim Verbrennen des Elektromülls entstehen, lassen das Gehirn schrumpfen, führen zu Krebs, Nervenleiden und Nierenschäden.
