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Wie christlich ist die CSU?

Das Flüchtlingspapier der CSU, ausgeschrieben heißt die Partei noch immer Christlich Soziale Union, ist nicht nur weit vom christlichen Anspruch entfernt – es ist ein Antiprogramm zum Evangelium. Ein Kommentar von Eva-Maria Lerch
von Eva-Maria Lerch vom 22.09.2016
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Immer wieder fordert CSU-Chef Horst Seehofer eine Obergrenze für die Zahl der Flüchtlinge - und wird für diese unchristliche Haltung auch von den Kirchen kritisiert (Foto: pa/Hoppe)
Immer wieder fordert CSU-Chef Horst Seehofer eine Obergrenze für die Zahl der Flüchtlinge - und wird für diese unchristliche Haltung auch von den Kirchen kritisiert (Foto: pa/Hoppe)

Dass eine Partei sich offiziell als »christlich« bezeichnet und dies im Großbuchstaben C vor sich herträgt, war schon immer umstritten. Doch das Flüchtlingspapier, das die »Christlich-Soziale Union« gerade auf den Markt geworfen hat, ist nicht nur weit vom christlichen Anspruch entfernt – es ist ein Antipapier zum Evangelium.

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CDU und CSU sind dem C in ihrem Namen häufig nicht gerecht geworden. Schon die Machtkämpfe, Selbstdarstellungen und Verunglimpfungen, wie sie im Parteiengeschäft an der Tagesordnung sind, spiegeln kaum etwas von der Nächstenliebe und Demut, die Christus gelehrt hat. Zudem kann keine Partei die Vertretung des Christlichen für sich allein in Anspruch nehmen, denn Christen sind in allen politischen Parteien aktiv. Und gerade bei den C-Parteien hat man den Einsatz für das Land der Verheißung – für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung – oft und schmerzlich vermisst.

Das Universale ist ein Wesensmerkmal des Christentums

In ihrem neuen Papier zur Flüchtlingspolitik fordert die bayerische CSU nun eine gesetzliche Obergrenze von maximal 200 000 Flüchtlingen pro Jahr sowie die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft. Deutschland müsse »Deutschland bleiben«, heißt es in dem fünfseitigen Papier. Zuwanderer »aus unserem christlich-abendländischen Kulturkreis« sollten künftig Vorrang bei der Einwanderung in Deutschland haben. Statt eines Einwanderungsgesetzes brauche Deutschland ein »Begrenzungs- und Steuerungsgesetz«.

Man muss vermuten, dass die Autoren dieses »Ausländer-raus«-Programms noch nie eine Bibel in die Hand genommen haben. Denn sie formulieren hier das glatte Gegenstück zur Frohen Botschaft. »Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen«, nennt Jesus im Matthäusevangelium ein Kriterium für christliches Handeln. »Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.«

Das CSU-Papier aber wird bei den Geringsten, die heute als Flüchtlinge daherkommen, das Umgekehrte zur Folge haben: »Ich war fremd und obdachlos – und ihr habt ein Begrenzungsgesetz erlassen. Ich wollte bei euch leben – und ihr habt einen Zaun aus Stacheldraht gebaut.«

Die Beschränkung auf den eigenen Kulturkreis, wie die CSU sie fordert, hat das Christentum aber schon ganz zu Anfang überwunden: Obwohl er zunächst darauf besteht, dass er »nur zu den Kindern Israels gesandt« sei, heilt Jesus nach heftigem Drängen dann doch die Tochter einer Syrophönizierin – und erweitert seine Sendung damit auf die Menschen außerhalb des eigenen Volkes. Später erzählt er dann ein Gleichnis, in dem ausgerechnet ein Samariter zum Vorbild der Barmherzigkeit wird: Die Samariter waren eine religiöse Gruppierung, die von den traditionellen Juden zutiefst verachtet wurden. Der Apostel Paulus löst die junge Kirche schließlich ganz aus ihrem regionalen religiösen Umfeld, reist durch die ganze damals bekannte Welt, schafft traditionelle Reinheits- und Speisevorschriften ab und öffnet das Christentum für andere Kulturen.

Das Universale ist somit ein Wesensmerkmal des Christlichen – nicht das »Mia san mia«. Auch Bayern wäre heute nicht katholisch, wenn die kleine Religion aus dem fernen Kulturkreis nicht ihren Weg nach Europa gefunden hätte.

Deutliche Kritik von den Kirchen

Die Kirchen, die ja ebenfalls das C zu vertreten haben, kritisieren das CSU-Papier nun öffentlich in ungewohnter Deutlichkeit: »Das ist unchristlich«, erklären der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Thomas Sternberg, der Bischof der evangelischen Nordkirche Gerhard Ulrich und der Präses der rheinischen Landeskirche Manfred Rekowski. Auch der CSU-Europaabgeordnete Manfred Weber und Teile der Schwesterpartei CDU verurteilen die Forderungen.

Die bayerischen Christen distanzieren sich derweil durch ihr Verhalten von der großen Landespartei: Sie heißen unbeirrt Flüchtlinge aus allen Religionen und Kulturen willkommen – in Kirchencafés, in Deutschkursen und Kleiderkammern, manchmal auch im eigenen Haus.

Die C-Parteien aber müssen nun dringend darüber diskutieren, was der christliche Anspruch für ihre Politik bedeutet. Denn wo »christlich« draufsteht, müssen auch christliche Inhalte erkennbar sein.

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Schlagwörter: christlich CSU
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