Begleiter am Lebensende
Martha Schneider (Name von der Redaktion geändert): Ich würde gern ehrenamtlich im Hospiz mitarbeiten und möchte wissen, welche Voraussetzungen ich mitbringen muss? Welche Aufgaben kommen auf mich zu, muss ich eine Ausbildung absolvieren und welche Anlaufstellen gibt es?
Monika Herrmann: Claudia Trautloft besucht Sterbende seit vielen Jahren. Erst in München, jetzt im Berliner Lazarus-Hospiz. Sie sagt: »Wir sprechen eigentlich nicht über das Sterben, eher über Politik, das Wetter, eben über alles, was so passiert.« Die 65-Jährige gibt die Gespräche nicht vor. »Es entwickelt sich.« Manchmal, wenn es den Patienten schlecht geht, sitzt sie einfach nur am Bett. »Die Gewissheit, da ist jemand, der passt auf, ist oft eine Beruhigung für den Patienten«, hat sie erfahren. Sie habe viel gelernt, sagt sie: »Es ist ein Geben und Nehmen.« Ihre Einstellung zum Sterben hat sich verändert. »Angst vor dem Sterben? – Überhaupt nicht.«
Hospize sind auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen
Ohne ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kommen die Hospize nicht aus. Sie sind sowohl im ambulanten, als auch im stationären Bereich unverzichtbar geworden. Dorothea Becker, die das Berliner Ricam-Hospiz leitet, sagt: »Unsere Ehrenamtlichen gehören zum Stationsteam, ohne sie könnten wir schließen«.
Menschen, die ehrenamtlich im Hospizdienst arbeiten, haben eine hohe Verantwortung: Sie begleiten Patienten, die unheilbar krank sind, Sterbende, auch wenn deren Tod oft nicht unmittelbar bevorsteht. Hospize sind kleine Pflegeeinrichtungen. Mehr als 15 Plätze für Patienten gibt es meistens nicht.
In Würde das Leben beenden
Wer ins Hospiz kommt, ist austherapiert, wie es im nüchternen Klinikjargon heißt. Im Hospiz werden sie palliativ-medizinisch behandelt, das heißt: sie können in Würde ihr Leben beenden. Ohne Schmerzen und vor allem selbstbestimmt. Ehrenamtliche Mitarbeiter im Hospizdienst verstehen sich in dieser letzten Lebensphase als Partner, Freunde, Begleiter oder auch Seelsorger der Sterbenden. Sie begleiten meistens einen oder auch zwei Patienten, die sie regelmäßig besuchen.
Je nach gesundheitlicher Verfassung machen ehrenamtliche Mitarbeiter auch mal einen Ausflug mit Patienten, gehen ins Kino, ins Cafè, malen zusammen ein Bild oder kochen in der kleinen Stationsküche das Lieblingsgericht eines Patienten. Menschen, die freiwillig im Hospiz arbeiten, sind zwar von der direkten Pflege ausgenommen, aber sie leisten all das, was das Leben der Patienten noch zulässt. Claudia Trautloft nimmt manchmal ihren Hund Paul mit ins Hospiz. »Das ist immer eine Riesenfreude für die Patienten«, erzählt sie.
Freiwillige können aber auch im ambulanten Hospizdienst arbeiten und sterbenskranke Patienten zu Hause besuchen. Für manche ist das die bessere Variante ihres Ehrenamtes. Weil sie dann nicht eingebunden sind in ein Stationsteam, sondern mehr mit den Angehörigen des Patienten reden können. Die Art der Begleitung unterscheidet sich jedoch nicht wesentlich von der in einem Hospiz.
Begleiter für Familien mit unheilbar kranken Kindern
Ein relativ neuer Zweig dieses Ehrenamtes ist die Begleitung von Familien, die ein Kind haben, das unheilbar krank ist. Die sogenannten Familienbegleiter kümmern sich vor allem um Geschwister der kleinen Patienten, unternehmen mit ihnen etwas und entlasten dadurch die Eltern. Familienbegleiter vermitteln aber auch zwischen häuslicher Pflege und möglichem Umzug ins stationäre Kinderhospiz. Sie stellen etwa Kontakte zum stationären Kinderhospiz her, in dem sterbenskranke Kinder und deren Eltern aufgenommen werden können. Die Aufnahme ist auch für eine kurze Zeit mal möglich, wenn es den Kindern besonders schlecht geht. Oder damit Eltern und Geschwister mal Urlaub machen können. Caritas und Diakonie vor allem haben solche ehrenamtlichen Begleitdienste installiert und suchen immer nach Freiwilligen.
Welthospiztag am 8. Oktober
Wer sich für die Begleitung von Sterbenden entscheidet, muss eine Ausbildung machen. Diese dauert zwischen sechs und zwölf Monaten. Sie wird von den Hospizen vor Ort angeboten.
Weitere Informationen bieten die jeweiligen Hospiz- und Palliativ-Verbände der Bundesländer und der »Deutsche Hospiz- und Palliativ-Verband«. Eine Reihe lokaler Veranstaltungen werden am Welthospiztag, dem 8. Oktober, angeboten.
