Aufrecht knien
Knien – das ist die religiöse Demutsgeste par excellence, eine der zentralen Gebetshaltungen, nicht nur im Christentum. Wer kniet, zeigt sich bedürftig und schwach, macht sich verletzlich. Wer auf die Knie fällt, anerkennt eine höhere Macht und stellt ihr sein Leben anheim. Wer vor Gott kniet, gibt Gott Gewicht, nimmt Abschied von Allmachtsfantasien und muss sich nicht selbst als Gott aufspielen. Wer vor Gott kniet, hofft, gerade aus dieser Haltung heraus wieder auf die Beine zu kommen und aufgerichtet zu werden. Mit einem solchen Kniefall machen sich Menschen keineswegs klein.
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Magdalene L. Frettlöh lehrt Systematische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Bern.

