Tod von Papst Benedikt
Auge in Auge mit Papst Benedikt
Zehn Minuten habe ich mich dem Blick des deutschen Papstes hoch konzentriert ausgesetzt. Jenen Blick, den der Leipziger Maler Michael Triegel, virtuos die Techniken seiner Kollegen aus der Renaissance und des Manierismus beherrschend, auf einem Porträtgemälde von 2010 eingefangen hat. Dieser Blick des Papstes aus einem müden, aber nicht schlaffen Gesicht, das die bäuerliche Herkunft verrät – nur in leichter Untersicht, in minimaler Adorationsperspektive porträtiert –, trifft mich mit Macht: das linke Auge ist verhalten neugierig und freundlich. Ich entdecke sogar einen leichten Anflug von Schalk. Das rechte Auge ist sichtbar verschlossener, zurückhaltender, strenger, prüfender, skeptischer (zweifelnder?). Es drückt Abstand und eine sichtbare und spürbare reservatio mentalis aus, einen geistigen Vorbehalt, vielleicht sogar Widerwillen. Dazu passt der Ecken- oder Winkelblick (angle look), für den sich der Maler entschieden hat. Nicht zwei Seelen, ach, in seiner Brust, sondern zwei Augen, ach, in seinem Gesicht. Eine Melange aus Macht und Schwäche, Prüflust und Skepsis, Zuwendung und Distanz.
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Klaas Huizing, geboren 1958, ist Schriftsteller und evangelischer Theologe, Professor für Systematische Theologie und Gegenwartsfragen an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Im Sommer erschien sein Buch »Lebenslehre. Eine Theologie für das 21. Jahrhundert« (Gütersloh 2022).

Tod von Papst Benedikt
