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Corona, Pest und Schuld

Was Oberammergau mit Wuhan zu tun hat und warum der Mensch Sinnlosigkeit nicht aushalten kann
von Michael Schrom vom 12.03.2020
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Unheimliche Bedrohung: Desinfektion eines Krankenhauses in Südkorea nach einem Corona-Fall. (Foto: pa/Ryu Seung-Il/ZUMA Wire)
Unheimliche Bedrohung: Desinfektion eines Krankenhauses in Südkorea nach einem Corona-Fall. (Foto: pa/Ryu Seung-Il/ZUMA Wire)

Oberammergau 1633. Die Pest wütet in Bayern, doch in dem abgelegenen Gebirgsdorf fühlt man sich relativ sicher. Um sich vor der unheimlichen Krankheit zu schützen, hat sich das Dorf Quarantäne auferlegt. Meterhohe Pestfeuer signalisieren: Kommt nicht näher, auch bei uns wütet die Pest. Das ist zwar nur ein Trick, aber er funktioniert. Bis sich Kaspar Schilser, ein Tagelöhner, der sich in Eschenlohe verdingt hat, zurück ins Dorf schleicht, um Frau und Kinder wiederzusehen. Er ist Patient Null. Mit ihm nimmt das Unheil seinen Lauf. 84 Dorfbewohner sterben, die öffentliche Ordnung bricht zusammen. Schließlich setzt sich die Überzeugung durch: »Gott hat uns verlassen.« Um ihn wieder gnädig zu stimmen, geloben die Oberammergauer, von nun an alle zehn Jahre die Passion Jesu aufzuführen. Nach dem Gelöbnis sei kein weiterer Bewohner erkrankt. So erzählt es die Legende, so steht es im Drehbuch von »Die Pest«.

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Schlagwörter: Angst Corona Moral Religion Schuld
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