Theologie und Technologie
Ist die KI der bessere Gott?
Glätte hat einen eigenen Reiz. Das Gefühl, ein Smartphone zu berühren, die glatte Oberfläche, der makellose Bildschirm, ist wie eine Einladung in eine Welt ohne Widerstand. Die Finger gleiten mühelos darüber, fast schwerelos. Doch Glätte ist auch trügerisch. Sie lässt keine Spuren zu, sie nimmt nichts auf. Kein Abdruck verweilt, kein Kratzer erzählt von der Geschichte des Gebrauchs. Alles bleibt unberührt, steril – geschichtslos. Was glatt ist, kann keinen Halt geben. Vielleicht fasziniert uns die Glätte, weil sie eine Perfektion verspricht, die sich unserer Natur widersetzt. Unmerklich scheint die Omnipräsenz der Glätte in unsere Vorstellung vom Idealzustand hineingewandert zu sein. Die Schönheit einer Haut scheint sich an ihrer Glätte zu zeigen. Wir können nicht glatt genug sein. Oder geht es nur um die Oberfläche? Zeigt sich möglicherweise genau hier, worauf wir im Kollektiv versammelt sind: Oberflächenästhetik. Im schwarzen Bildschirm eines Smartphones sehen wir immerhin noch unser Antlitz. Doch sobald wir das Smartphone einschalten, verliert es sich »wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand« (Foucault). Die Frage ist, woran wir unser Antlitz verlieren?
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Ahmad Milad Karimi, geboren 1979, ist Professor für islamische Philosophie und Mystik an der Universität Münster und Leiter der Forschungsstelle »Theologie der Künstlichen Intelligenz«. Vor Kurzem erschien sein Buch »Gott 2.0. Grundfragen einer KI der Religion« (Reclam, Ditzingen 2024).

