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Die Schwarzgeld-Bastion

Der Papst sorgt für die Entlassung von führenden Managern der Vatikanbank. Die Banker hatten bis zuletzt gemauert. Thomas Seiterich fragt sich: Leistet Franziskus damit auch Überzeugungsarbeit in eigener Sache?
von Thomas Seiterich vom 09.07.2013
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Was geht im Innern der Vatikanbank vor sich? Das bleibt auch dem neuen Papst im Letzten immer noch ein Rätsel. Eines, das er offenbar aufzuklären versucht. (Foto: picture alliance/abaca)
Was geht im Innern der Vatikanbank vor sich? Das bleibt auch dem neuen Papst im Letzten immer noch ein Rätsel. Eines, das er offenbar aufzuklären versucht. (Foto: picture alliance/abaca)

Einem kommt der neue Skandal um die Vatikanbank Istituto per le Opere Religiose, »Institut für die Religiösen Werke«, kurz IOR, gerade recht: dem neuen Papst Franziskus. Gerade eben erst hatte der Pontifex und erklärte Freund einer »Kirche der Armen« aus dem Schwellenland Argentinien verkündet: »Der Apostel Petrus besaß kein Bankkonto.« Da decken Polizei und Staatsanwälte in der gutbürgerlichen Stadt Salerno am Golf von Neapel einen dicken Vatikan-Geldskandal auf. Die Ermittlungsbehörden verhaften den eleganten Vatikan-Prälaten Nunzio Scarano. Der langjährige Rechnungsprüfer der Güterverwaltung des Heiligen Stuhls (APSA) trug in Rom bis vor Kurzem den Spitznamen »Monsignore 500«, da er sich nie mit kleineren Geldscheinen und -summen abgab.

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Scarano versuchte zwanzig Millionen Euro am italienischen Fiskus vorbei mit einem Privatflugzeug aus der Schweiz nach Italien zu transportieren – offenbar Schwarzgelder der neapolitanischen Reederfamilie D’Amico. Ein Clan, mit dem der Monsignore seit Langem enge Verbindungen pflegt. Die Beweise, die die Staatsanwaltschaft in die Öffentlichkeit lanciert, sind erdrückend. Hinzu kommt die Nachricht, der römische Millionen-Monsignore leiste sich in seiner Heimatstadt unweit vom Dom in bester Lage eine mehrere Hundert Quadratmeter große, antiquitätenreiche Luxuswohnung.

Auf die spektakuläre Verhaftung am Golf von Neapel folgt im Vatikan ein Erdbeben: Noch am gleichen Montag Anfang Juli, als die Verhaftung Scaranos wegen Verdachts auf Korruption in den Medien die Nachricht Nummer eins ist, erzwingt Papst Franziskus den Rücktritt des Generaldirektors der Vatikanbank, Paolo Cipriani, und seines Vize, Massimo Tulli. Spät am Abend bieten die beiden ihre Demission an. Durch diese Art Rücktritt will man den verlogenen Schein wahren.

Die beiden gefeuerten Chefbanker sind ebenfalls Italiener. Und beide Laien sind, wie der Monsignore, hochgestellte langjährige Kurienmitarbeiter in besonderer Vertrauensstellung. Scarano, dies ergeben die Verhöre der folgenden Tage, hat über seine Konten in der Vatikanbank Gelder gewaschen: für »Freunde« und möglicherweise für auch für Verbrecherorganisationen wie die neapolitanische Camorra oder die sizilianische Mafia.

Ursprünglich war die 1942 von Papst Pius XII. gegründete Vatikanbank ein antifaschistisches Abwehrinstrument. Denn die Banken des faschistischen Italien taugten damals nicht für sensible Kirchengeld- und Caritas-Überweisungen an Notleidende im Ausland. Als dann Hitlers Wehrmacht von September 1942 bis Juni 1943 Rom besetzte und den Vatikan umzingelte, bewies das Istituto per le Opere Religiose seine Sinnhaftigkeit. Denn dank des IOR blieb der belagerte Papst finanziell handlungsfähig.

Doch nach 1945 versackte das IOR. Die Vatikanbank wurde zu einer abgeschotteten, teils kriminellen Vereinigung. Manche Kämpfe der Christdemokraten gegen die nach dem Krieg erstarkten Kommunisten wurde über die diskrete Vatikanbank finanziert. Später entdeckte die Mafia, die im Juli 1943 die Landung der US-Army in Sizilien vorbereitet hatte, die Nützlichkeit der Papstbank: ein von außen nicht kontrollierbares, geheimes Geldinstitut, versteckt hinter meterdicken Mauern im diskreten Vatikan – und dies nicht in einem Schurkenstaat, sondern mitten in Europa.

Fast ausschließlich Italiener bekleideten die hohen Posten. Und der damals berüchtigte IOR-Chef, der aus den USA stammende Kurienerzbischof Paul Marcinkus, nutzte von 1971 bis 1989 das IOR, um für rechte katholische Politiker und für die Mafia Geld zu waschen. Zeitweise konnte Marcinkus den Vatikan nicht verlassen, da ein Haftbefehl gegen ihn vorlag.

Papst Franziskus macht sich nun ans Aufräumen. Am liebsten wäre ihm, es gäbe – wie zu Zeiten des Apostels Petrus – keine Vatikanbank. Weil Franziskus den von seinem Vorgänger Benedikt XVI. im Jahr 2012 bestellten Bericht dreier Kardinäle über die menschlichen Abgründe und Korruption im Vatikan kennt, greift er nun durch. Ihm entgegen stellt sich der immer noch als Staatssekretär amtierende Kardinal Tarcisio Bertone. Er bremste als Boss der obersten Kardinalskommission des IOR die Transparenz-Reformen (Publik-Forum 12/
2013). Dabei halfen die jetzt gefeuerten Herren Cipriani und Tulli.

Für den neuen Papst steht viel auf dem Spiel. Unter dem öffentlichen Druck des Prozesses der italienischen Justiz gegen Scarano muss Franziskus die Kurienreform energisch anpacken. Die Güterverwaltung APSA und die Vatikanbank müssen reformiert und transparent gemacht werden. Dabei gilt es, noch manche Geheimniskrämerei aufzudecken und die Bremser in der Kurie zu feuern. Jetzt muss der neue Mann an der Spitze der römisch-katholischen Kirche zeigen, wie viel konfliktbereiter Reformwille in ihm steckt.

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Personalaudioinformationstext:   Thomas Seiterich ist Publik-Forum-Redakteur und langjähriger Vatikan-Kenner. Momentan hält er sich in Zentralafrika auf. Lesen Sie sein online-Tagebuch auf www.publik-forum.de/Politik-Gesellschaft
Schlagwort: Korruption
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