Frieden schaffen – mit Gewalt?
Darf man dieser Tage noch davon sprechen, dass in Konflikten Gewaltfreiheit die Option Jesu von Nazareth für die Welt ist? »Lass das Schwert stecken! Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen!« – » Wenn dich jemand schlägt auf die rechte Wange (bleib standhaft), halte ihm die linke hin!« Wir nennen das heute wohl Pazifismus. Das aber ist nicht Passivität, sondern mutiges, aktives, gewaltfreies Handeln! Auch wenn manchen diese Position nicht passt, können wir – zumindest als Christinnen und Christen – ja nicht so tun, als sei sie nicht dem Zentrum des Evangeliums entnommen.
Vor 75 Jahren begann Deutschland mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg. Wir erinnern daran mit dem Antikriegstag am 1. September. Die Folgen bis hin zum Holocaust sind unfassbar. Sie erschüttern und prägen die Welt an vielen Stellen bis heute. Dass Deutschland militärisch besiegt wurde und dadurch noch größeres Leiden verhindert wurde, bleibt eines der wesentlichen Argumente, wie schwer es ist, die militärische Option gänzlich abzulehnen. Aber es gilt auch hier zu bedenken: Dass es überhaupt zu einem solchen Krieg kam, hatte als eine der Hauptursachen auch den allseits verbreiteten Militarismus und die Einstellung, dass Krieg eine legitime Möglichkeit sei. Erst als die Ausmaße des Krieges immer deutlicher wurden, erfüllte ein Wunsch die Gedanken der Menschen: »Nie wieder Krieg!« Doch dieser Wunsch, der im Oktober 1945 in die Charta der Vereinten Nationen (UN) verbindlich aufgenommen wurde, wurde von den UN-Mächten leider nie langfristig verwirklicht.
Letztlich fehlte den Verantwortlichen wohl der Wille dazu. Auch das Bekenntnis des Ökumenischen Rats der Kirchen von 1948: »Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein!«, führte nur sehr begrenzt zu einer friedlicheren Welt. Die Weltreligionen, die von ihren Grundsätzen her eigentlich für den Frieden stehen, wurden ebenfalls aus Eigeninteressen heraus zu Verursachern von Gewalt und Krieg oder dazu instrumentalisiert.
Dennoch, es gibt Erfolge! So konnten Erb- und Erzfeindschaften überwunden werden, wie zwischen Deutschland und Frankreich; eine Versöhnung über den »Eisernen Vorhang« wurde möglich; eine gewaltfreie Friedliche Revolution in der DDR stürzte die Mauer; die Apartheid wurde zumindest als politisches System Geschichte. Bei diesen Erfolgen waren keine militärischen Mittel entscheidend.
Doch nun brennt die Welt wieder – in der Ukraine, in Syrien, Irak, Libyen, Nigeria. Eine »Ideologie der Ungleichheit«, Machtstreben, Fanatismus, Nationalismus und Militarismus, die den Ersten und Zweiten Weltkrieg entfachten, führen erneut zu Verfolgung, Unterdrückung und Mord. Selbst Völkermord und drohender Genozid tauchen finster am Horizont auf. Kann man da Pazifist sein – und bleiben? (...)
Der vollständige Artikel von Lutz Krügener erscheint in der aktuellen Printausgabe von Publik-Forum am Freitag, den 29. August. Online können Sie den Text bereits vor Erscheinen der aktuellen Print-Ausgabe lesen. Nutzen Sie dazu den Online-Premiumzugang, vier Wochen lang kostenlos!
