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Hat Hass eine Religion?

Wenn Terroristen sich aus dem Wortschatz des Islams bedienen, heißt das noch lange nicht, dass sie Muslime sind. Über die perfide Taktik des islamistischen Terrors. Die Titelgeschichte im neuen Publik-Forum
von Claudia Mende vom 29.01.2015
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Hat Hass eine Religion? Diese Frage steht im Raum. Sie ist quälend für alle, die aus dem friedlichen Geist ihrer Religion - sei es der Islam, das Judentum, das Christentum oder welche Religion auch immer - Kraft für den Alltag und für ihr Engagement beziehen. (Foto:  Infinity/Fotolia.com, istockphoto/jamenpercy )
Hat Hass eine Religion? Diese Frage steht im Raum. Sie ist quälend für alle, die aus dem friedlichen Geist ihrer Religion - sei es der Islam, das Judentum, das Christentum oder welche Religion auch immer - Kraft für den Alltag und für ihr Engagement beziehen. (Foto: Infinity/Fotolia.com, istockphoto/jamenpercy )

Nach dem Schock und dem Entsetzen über die brutalen Morde von Paris hat die Diskussion über die Ursachen begonnen. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 wird Terrorismus unter religiösen Aspekten analysiert. In Europa hat das zum Teil heftige Islamdebatten ausgelöst, weil die Täter sich selber aus dem Wortschatz des Islams bedienen. Doch nach Paris zeigt sich, dass die Diskussion über religiöse Fragen zu kurz greift. Man geht den Tätern auf den Leim, wenn man über ihrer religiösen Rhetorik die sozialen und politischen Ursachen von Dschihadismus missachtet.

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Was hat bei den Attentätern diese enorme Wut ausgelöst?

»Wir sollten Terrorakte nicht als Teil der Islamdebatte, sondern als politische Ereignisse diskutieren«, fordert der Politikwissenschaftler Farid Hafez von der Universität Salzburg. »Wir machen es uns zu leicht, wenn wir die Anschläge mit dem Islam erklären.«

Die Täter von Paris kamen aus Frankreich, sie wurden dort geboren, wuchsen in den Banlieues, den Vorstädten, auf und sprachen Französisch. Die Frage ist doch: Was konnte eine dermaßen große Wut bei ihnen auslösen, dass sie ein Blutbad in der Redaktion von Charlie Hebdo und einem koscheren Supermarkt anrichteten?

Der französische Soziologe Michel Wievorka hat sich seit Jahren intensiv mit den Ursachen von islamistischer Jugendgewalt in den Stadtvierteln der Migranten beschäftigt. Für ihn ist offensichtlich, dass nicht Religion, sondern das Empfinden radikalen Ausgeschlossenseins die Hauptursache islamistischer Gewalt ist.

»Das sind keine jungen Männer, die jahrelang heilige Texte studieren, bevor sie sich radikalisieren«, sagte der Jude Wievorka in einem Interview. Im Gegenteil, sie hätten oft eine Karriere als Kleinkriminelle oder Drogenhändler hinter sich, bevor sie in den Dunstkreis des Dschihadismus gerieten. Ähnlich hat sich auch der Islamismusforscher Olivier Roy geäußert. Als Hintergrund der Verbrechen spiele auch eine »Populärkultur der Gewalt« unter jungen Männern eine Rolle, die von gewaltverherrlichenden Video- und Computerspielen geprägt sei.

Alltagsrassismus und Gettoisierung in den Banlieues

Es ist kein Zufall, dass sich islamistische Gewalttaten gerade in Frankreich häufen. Experten haben immer wieder auf die Probleme einer gescheiterten Integration im Nachbarland hingewiesen. Diskriminierung bei der Jobsuche, Alltagsrassismus und Gettoisierung in den Banlieues werden durch die Wirtschaftskrise verstärkt und führen zu einem weit verbreiteten Gefühl von Ausgrenzung bei vielen Franzosen arabischer Herkunft.

Dazu kommt: Die Integration von Einwanderern aus Algerien in Frankreich ist ungleich belasteter als beispielsweise die Eingliederung von Migranten türkischer Herkunft in Deutschland. Hier spielt die nie aufgearbeitete koloniale Vergangenheit Frankreichs in Nordafrika eine große Rolle. Außerdem haben die französischen Islamdebatten in den vergangenen Jahren eine Schärfe bekommen, durch die sich Muslime zunehmend an die Wand gedrängt fühlen. Der Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan spricht von einer »permanenten Stigmatisierung von Muslimen in Frankreich«, die es in dieser Form in keinem anderen europäischen Land gebe.

Warum aber suchen sich Menschen – es sind erkennbar vor allem junge Männer – ausgerechnet den Islam als Folie für ihre Gewaltexzesse?Antworten auf diese Frage lesen Sie im neuen Publik-Forum, das am Freitag, 30. Januar, erscheint.

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Schlagwörter: Hass Islam Religion Terrorismus
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