Synodaler Weg
Kirchendämmerung
Am Samstag um 15.09 Uhr ist es passiert. Mitten in den Beratungen, ob, wie und wem ein katholischer Bischof in Deutschland künftig rechenschaftspflichtig sein sollte, ist die Synodalversammlung plötzlich nicht mehr beschlussfähig. Das entscheidende Gremium im ambitionierten Reformprojekt der deutschen Katholiken ist handlungsunfähig, weil die Mindestzahl der Abstimmungsberechtigten unterschritten ist. Schon in den Minuten zuvor hat sich die Zahl der Abstimmenden kontinuierlich der kritischen Marke von 154 genähert. Zahlreiche (Erz-)bischöfe, darunter die Kardinäle Marx und Woelki sowie die Bischöfe Dieser und Overbeck sind bereits abgereist. Das Präsidium wird nervös. Wie sieht es aus, wenn ein Beschluss in einer so wichtigen Angelegenheit unter fragwürdigen Bedingungen zustande kommt? Welche Verbindlichkeit kann er dann beanspruchen? Bischof Bätzing beantragt, die Beschlussfähigkeit zu überprüfen. Von den Gängen werden eilig alle zurückgerufen, die sich einen Kaffee oder eine Auszeit gönnen. Doch es reicht nicht. Der Zähler der elektronischen Abstimmung bleibt bei 149 steht. Der Verdacht kommt auf, dass nicht alle Anwesenden auf das Abstimmungsgerät gedrückt und so das abrupte Ende möglicherweise mutwillig herbeigeführt haben. Doch die Tagungsleitung lässt nicht erneut nach Handzeichen abzählen. Aus. Ende. Vorbei. Nichts mehr zu machen. Fairerweise muss man sagen: Das ist nicht nur die Schuld der Bischöfe. Auch andere Synodale haben anscheinend Wichtigeres vor, als über Machtbegrenzung, Rechenschaftspflicht und Kontrolle der Bischöfe durch Gläubige nachzudenken. Und das nach den jüngsten vatikanischen Entscheidungen zum Verbleib von Marx, Woelki, Heße, Schwaderlapp und Puff im jeweiligen Amt.
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Mitarbeit: Judith Bauer

Synodaler Weg
