Krieg gegen den Islam
Der Islam will, wie viele andere Religionen, die Ängste in uns entmachten, die uns daran hindern, uns hilfsbedürftigen Menschen zuzuwenden. Er tut dies – anders als seine Kritiker meinen – nicht primär durch die Verheißung eines besseren Lebens nach dem Tod, sondern aus der Erfahrung heraus, dass die Rechtleitung Gottes unser Leben hier und jetzt positiv verändert. Er verspricht uns Frieden und Orientierung nicht erst im Jenseits. In seinem Zentrum stehen ethische und rechtliche Regelungen, die dem Menschen unaufgebbare Normen an die Hand geben sollen, die ihn zu mehr Menschlichkeit und Gottergebenheit führen.
Eben diese islamischen Normen werden von den Terroristen des »Islamischen Staates« (IS) verletzt. Ihre terroristischen Angriffe auf Unschuldige in Paris sind ebenso wie ihre nicht endenden Verbrechen in Syrien und im Irak durch keine der traditionellen Interpretationen des Islam zu rechtfertigen. Sie sind nicht weniger als eine Neuerfindung dieser Religion, die allen normativen Quellen des Islam ebenso widerspricht wie all seinen klassischen Rechtsschulen. Von daher sind die Anschläge dieser Terroristen nicht nur ein Angriff auf den Westen und die Werte Europas. In Wahrheit treffen die Angriffe des »Islamischen Staates« den Islam selbst bis ins Mark und führen ihn in die tiefste Krise seiner Geschichte.
Natürlich sind die Terroranschläge Angriffe auf die Menschlichkeit und treffen jeden Menschen, der an die Würde des Menschen glaubt – unabhängig davon, ob er religiös ist oder nicht. Aber diese Anschläge richten sich nicht nur gegen den Menschen. Der »Islamische Staat« wendet sich im Kern gegen Gott, wie wir ihn aus Koran und Bibel kennen.
Ja, wie bereits Navid Kermani in seiner viel zitierten Friedenspreisrede klar gemacht hat: diese Terroristen wenden sich vor allem gegen den Islam und versuchen alles zu zerstören, was wir aus der Geschichte von dieser Religion kennen. Alles, was der Islam jemals an Werten und kulturellen Leistungen hervorgebracht hat, wird von ihnen mit Füßen getreten – perfiderweise im Namen genau der Religion, die sie zu vernichten trachten. Der »Islamische Staat« befindet sich ganz offenkundig im Krieg gegen den Islam, einem sehr erfolgreichen Krieg, der diese Religion in ihrer kulturprägenden und humanitären Kraft bedroht.
Der IS kämpft aber nicht nur gegen den Islam; er kämpft gegen jede Form von Religion, die noch diesen Namen verdient. Und er bekämpft eine der wichtigsten Früchte von Religion: die Entmachtung unserer Ängste.
Der IS will den Kampf der Kulturen
Seine Strategie ist dabei recht leicht zu durchschauen. Er will polarisieren und radikalisieren; er teilt die Welt in Gut und Böse ein und will, dass wir genauso reagieren. Er will den Kampf der Kulturen; er will, dass wir mit Waffengewalt die Werte des Westens gegen seine Werte verteidigen.
Dabei sollen wir im Westen denken, dass die Werte des Islams der Nährboden ihres Terrors ist. Wir sollen anfangen, Muslime zu hassen und zu verachten, damit diese sich radikalisieren und dem Terror anschließen. Der »Islamische Staat« will gewissermaßen die totale Zerstörung des Islams – einerseits durch Menschen, die meinen, gegen ihn kämpfen zu müssen, andererseits durch Menschen, die ihn zu verteidigen meinen, dabei aber Mittel gebrauchen, die alles, was den Islam ausmacht, verhöhnen und ihn so zerstören.
An dieser Stelle kann es nur eine Antwort geben. Wir dürfen die Zweiteilung der Welt in Gut und Böse nicht mitmachen. Wir müssen uns mit allen echten Muslimen verbünden, mit Konservativen wie mit Liberalen, um die Zerstörung ihrer Religion zu verhindern. Wir müssen uns mit allen Menschen guten Willens verbünden, um den Angriff auf die Menschlichkeit abzuwehren. Hier kann es nicht mehr um Westen oder Osten gehen, nicht um religiös oder nichtreligiös, nicht um Muslim oder Christ. Alle, die wissen, dass man unschuldige und wehrlose Menschen nicht einfach massakrieren darf, müssen zusammenstehen und die isolieren und entwaffnen, die die Werte des Islams und der Menschheit verraten.
Was ist jetzt also zu tun?
Wir müssen dringend dafür sorgen, dass im Rahmen der UNO eine Mission beschlossen wird, die dazu führt, die Terroristen genauso wie den unmenschlichen Diktator Syriens zu entwaffnen. Den Menschen, die vor dem Terror zu uns fliehen, müssen wir mit Menschenfreundlichkeit und Solidarität begegnen. Wie sehr Deutschland sich bisher als gastfreundliches Land präsentiert, ist in der islamischen Welt sehr genau registriert worden. Eine solche menschliche Behandlung von Flüchtlingen ist die beste Prävention gegen den Terrorismus.
Schließlich müssen wir endlich ernst damit machen, dass Muslime mehr Hilfen bekommen, die großen Traditionen ihrer Religion besser zu erforschen und an junge Menschen ihres Glaubens weiterzugeben. Nur wer sich von der Gesellschaft verachtet und gehasst fühlt, kann solche abscheulichen Grausamkeiten begehen, wie die Terroristen von Paris. Wenn wir endlich unser Misstrauen gegenüber Muslimen überwinden und ihnen mit Freundlichkeit und Vertrauen begegnen, schneiden wir den Terroristen jede Nachschubmöglichkeit ab und trocknen ihren Sumpf aus. Und wir beweisen, dass das Erbe der Religionen stärker ist als die Terroristen glauben.
Diskutieren Sie seine Position! Im Folgenden ist Platz dazu.
