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Küng warnt den Papst vor neuem Schisma

Ökumene, Religionsfreiheit, offene Liturgie: Die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils konnten die Piusbrüder nie ertragen. 1988 kam es zum Bruch mit Rom. Papst Benedikt setzt nun alles daran, sie zurückzuholen. Schon zu Pfingsten? Eine Katastrophe, findet der Konzilstheologe Hans Küng
von Britta Baas vom 24.05.2012
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Hans Küng warnt Rom vor einer Verbrüderung mit den Piuspriestern: »Ein schismatischer Papst verliert sein Amt.« (Foto: privat)
Hans Küng warnt Rom vor einer Verbrüderung mit den Piuspriestern: »Ein schismatischer Papst verliert sein Amt.« (Foto: privat)

Wer hütet den »wahren Katholizismus«? Diese Frage hat die Priesterbruderschaft St. Pius X., eine Vereinigung katholischer Traditionalisten, längst für sich entschieden. Weil die Reformanliegen des Zweiten Vatikanischen Konzils Mitte der 1960er Jahre einem Kreis um Erzbischof Marcel Lefebvre nicht nur zu weit, sondern gänzlich in die falsche Richtung zu gehen schienen, gründete er 1970 die Bruderschaft. Sie sollte allen »modernistischen Umtrieben« der römisch-katholischen Kirche trotzen. 1988 weihte Lefebvre eigene Bischöfe – was zu deren Exkommunikation führte.

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Diesen Ausschluss aus der römischen Kirche hob Papst Benedikt XVI. 2009 auf, definierte aber die Lefebvre-Bischöfe und auch die Priester der Bruderschaft weiterhin als »vagante Kleriker«, die ohne Erlaubnis der römischen Kirche wirkten. Doch bei diesem Schritt blieb es nicht: Gespräch reihte sich an Gespräch; die Annäherung zwischen dem Vatikan und der Priesterbruderschaft ist mittlerweile extrem weit vorangekommen.

Sehr zum Missfallen vieler Reformkräfte in der Kirche deutet sich nun an, dass Benedikt mit weit geöffneten Armen dafür sorgen wird, die Schismatiker am äußersten rechten Rand der Kirche ganz und gar zurückzuholen. Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, wäre als Datum für eine solche Versöhnung aus Sicht des Vatikans geeignet – könnte man die »Rückrufaktion« doch als ein Ergebnis des Wirkens der Ruach, der göttlichen Geistkraft, verkaufen.

Eine fürchterliche Vorstellung ist dies für reformorientierte Theologinnen und Theologen in der katholischen Kirche. Allen voran warnt der Konzilstheologe Hans Küng schon lange vor einer »Versöhnung« mit den Piusbrüdern, die aus seiner Sicht einer Kapitulation vor den ewig Gestrigen gleichkommt.

Nun, wenige Tage vor dem Pfingstfest der christlichen Kirchen, erhebt der Tübinger Theologe noch einmal seine Stimme. Publik-Forum.de dokumentiert im Folgenden Küngs Warnung vor der sich aus seiner Sicht klar andeutenden »Katastrophe«.

Hans Küng: »Ein schismatischer Papst verliert sein Amt«

»Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor. Dies soll selbst dann geschehen, wenn die Piusbrüder, die entscheidende Konzilstexte weiterhin ablehnen, mit kirchenrechtlichen Kunstgriffen in die Kirche eingegliedert werden müssten. Davor müsste der Papst, nicht zuletzt von den Bischöfen, in aller Form gewarnt werden. Denn:

Der Papst würde auch ungültig geweihte Bischöfe und Priester definitiv in die Kirche aufnehmen. Gemäß der Apostolischen Konstitution Pauls VI. »Pontificalis Romani recognitio« vom 18. Juli 1968 sind die von Erzbischof Lefebvre vollzogenen Bischofs- und Priesterweihen nicht nur unerlaubt, sondern auch ungültig. Diesen Standpunkt vertritt neben anderen auch ein maßgebliches Mitglied der »Versöhnungskommission«, Karl Josef Becker SJ, jetzt Kardinal.

Mit einer solch skandalösen Entscheidung würde sich Papst Benedikt in seiner allseits beklagten Abgehobenheit noch mehr vom Gottesvolk entfernen. Ihm sollte die klassische Lehre vom Schisma eine Warnung sein. Ihr zufolge geschieht eine Spaltung der Kirche, wenn man sich vom Papst trennt, aber auch wenn man sich vom übrigen Leib der Kirche trennt. »So könnte auch der Papst zum Schismatiker werden, wenn er nicht mit dem ganzen Leib der Kirche die geschuldete Einheit und Verbundenheit halten will.« (Francisco Suarez, maßgebender spanischer Theologe des 16./17. Jh.).

Ein schismatischer Papst verliert gemäß derselben Kirchenrechtslehre sein Amt. Zumindest kann er nicht auf Gehorsam rechnen. Papst Benedikt würde also die schon überall wachsende Bewegung des »Ungehorsams« gegenüber einer Hierarchie, die dem Evangelium ungehorsam ist, fördern. Für das schwere Zerwürfnis und den Unfrieden, den er damit in die Kirche hineintrüge, hätte er allein die Verantwortung.

Statt sich mit den ultrakonservativen, antidemokratischen und antisemitischen Piusbrüdern zu versöhnen, sollte sich der Papst lieber um die reformbereite Mehrheit der Katholiken und um die Versöhnung mit den Kirchen der Reformation und der ganzen Ökumene kümmern. So würde er einen, nicht spalten.«

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Personalaudioinformationstext:   Hans Küng, geboren 1928 in Sursee in der Schweiz, ist katholischer Theologe, Priester und Publizist. Der emeritierte Professor für Ökumenische Theologie in Tübingen ist Präsident der von ihm gegründeten Stiftung Weltethos. Küng, in jungen Jahren Konzilstheologe, verlor 1979 seine kirchliche Lehrerlaubnis, unter anderem wegen seiner öffentlichen und scharfen Kritik am Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit. Den jetzigen Papst, Benedikt XVI., kennt Hans Küng seit Jahrzehnten. Beide entwickelten aber bereits Ende der 1960er Jahre klar unterschiedliche Konzepte in Fragen der Theologie und Kirchenpolitik.
Schlagwörter: Küng Papst Reformen
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