Die schwierige Bibel
Küssen oder kämpfen?
Das Bild, das dieser Psalmvers malt, vor allem der zweite Teil, wurde seit dem Mittelalter in der europäischen Kunstgeschichte prägend für Visionen von einer gerechten, friedvollen Gesellschaft – gerade in Zeiten des Krieges. Gerechtigkeit (iustitia) und Frieden (pax) werden in Gemälden, Kupferstichen und auf Medaillen als zwei Frauengestalten dargestellt, die ihre Wangen aneinanderschmiegen beziehungsweise aufeinander zugehen. Justitia ist häufig mit Waagschale und Schwert dargestellt, während Pax einen Lorbeerzweig in der Hand hält. Durch die Personifikation von Friede und Gerechtigkeit, so bereits im hebräischen Text, erhalten die Konzepte eine Dynamik und werden mit Handlungsmacht versehen. Zuneigung, Beständigkeit, Friede und Gerechtigkeit bleiben nicht abstrakt. Die göttlichen Attribute wie Güte und Treue werden in die menschliche Welt geholt. Dies geschah auch in der Umwelt des Alten Israel: So wird Gerechtigkeit, »Maat«, in Ägypten als Göttin dargestellt.
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Dorothea Erbele-Küster
ist außerplanmäßige Professorin für Altes Testament in Mainz. Wenn Sie eine schwierige Bibelstelle hier diskutiert sehen wollen, bitte schreiben Sie an: redaktion@publik- forum.de, Betreff: Bibelstelle

