Sport und Sinn
Mythos Marathon
Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch läuft.« – Lakonisch kurz fiel die Antwort Emil Zatopeks aus. Dem Interviewer genügte sie. Seitdem gehört sie zum festen Zitatbestand von Reportern, die wissen wollen, warum jemand eine Leidenschaft am Langstreckenlauf entwickelt. Die Antwort stammt von jemanden, der es wissen muss. 1952 gewann Zatopek bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille über 5000 Meter, 10 000 Meter und im Marathonlauf. Ein solcher Dreifacherfolg hat ihn legendär gemacht. Auch wenn heute bei Höchstleistungen schnell ein Dopingverdacht im Raum steht, sportliche Rekorde sorgen nach wie vor für Bewunderung. Und für die Beschreibung von »Siegertypen« verwendet man gerne ein Vokabular, das an Heldensagen erinnert. Der Sport sorgt für Nachschub, wenn es Bedarf an Helden und Legenden gibt. Er liefert auch den Stoff, aus dem moderne Mythen gemacht werden.
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Hans-Joachim Höhn ist emeritierter Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Köln.

