Reformationsfest soll versöhnen
Heinrich Bedford-Strohm betonte bei der Vorstellung des gemeinsamen Papiers, dass beim Rückblick »nichts unter den Teppich gekehrt wird, sondern dass in aller Nüchternheit Verunglimpfungen und Vernichtungswille benannt werden.« Ziel sei eine Heilung durch Erinnerung. Es soll ein »ehrlicher Blick« auf 500 Jahre Reformation geworfen werden – auf die Kirchenspaltung und die damit verbundenen »oft familiären Katastrophen«.
Das, was die Kirchen bis heute trennt, wie die unterschiedlichen Auffassungen über kirchliche Ämter und Eucharistiefeier/Abendmahl, soll dabei nicht ausgeklammert werden. Doch eine Übereinstimmung zu finden sei nicht geplant, denn nicht die Wiedervereinigung der christlichen Kirchen stehe auf der Tagesordnung, sondern eine »versöhnte Verschiedenheit«.
Gemeinsame Pilgerfahrt ins Heilige Land
An konkreten gemeinsamen Aktionen ist in diesem Oktober eine Pilgerfahrt von Vertretern der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz ins Heilige Land vorgesehen, im Februar folgt eine Tagung zur Bibel unter dem Leitgedanken: »Die Heilige Schrift als Basis des Christusfestes«. Höhepunkt des ökumenischen Gedenkens soll im März ein gemeinsamer Buß-und Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim sein.
Im Herbst 2017 wird außerdem ein gesellschaftsdiakonischer Kongress vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), dem evangelischen Kirchentag, der Deutschen Bischofskonferenz und der EKD ausgerichtet. Dabei wird es es um die theologischen Schlüsselbegriffe Glaube und Werke, Freiheit und Autorität, Einheit und Vielheit gehen. Die Kirchen wollen dabei nicht nur untereinander diskutieren, sondern auch Impulse für gesellschaftliche Diskussionen geben.
So soll das Reformationsfest in die Gesellschaft hineinwirken. Das, was die Kirchen planen – zuhören, einander besser verstehen, sich versöhnen – kann auch ein Modell zur Lösung gesellschaftlicher Konflikte sein: etwa beim hoch umstrittenen Thema Migration und Flüchtlinge.
Der Gesellschaft zeigen, wie Versöhnung gelingt
Immer wieder wird im Text an eine geschwisterliche Haltung appelliert. Gerade weil die konfessionellen Unterschiede auch »die Gesellschaft geprägt« haben, soll »die Erinnerung von einem Mittel der Abgrenzung zu einem Mittel der Versöhnung werden«.
Das ökumenisch gefeierte Fest soll die »gemeinsame Verantwortung für die Humanität unserer Gesellschaft in Erinnerung rufen«. Marx und Bedford-Strohm betonen immer wieder den Lernprozess. Als Beispiele für gelungene Erinnerungsarbeit werden die Überwindung der Apartheid in Südafrika und der Konflikte in Nordirland und Serbien genannt.
Sie hoffen, dass aus dieser Geisteshaltung eine gemeinsame gesellschaftspolitische Bewegung entsteht, die auch das politische Klima im Bundestagswahljahr 2017 beeinflussen kann. Zu wünschen wäre dies!
Die Titelgeschichte im neuen Publik-Forum, das am Freitag, 23. September, erscheint, widmet sich ausführlich dem Reformationsgedenken. Darin: »Ein letztes Fest?«, von Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der EKD. Und: Wozu noch Konfessionen?, von Michael Schrom. Hier können Sie Publik-Forum print und digital bestellen
