Tür auf zur Turbo-Papstwahl
Joseph Ratzinger beendet seine insgesamt unglückliche Amtsführung als Papst Benedikt XVI. wenig würdig – als ein Trickser. »In aller Stille«, so erklärt der zur Papstwahl berechtigte Kardinal Oscar Rodriguez aus Honduras gegenüber Publik-Forum, habe Benedikt XVI. über Jahre hin schon die Gewichte im Papst-Wahlmännergremium zugunsten der konservativen Italiener verschoben. Mit seinem Apostolischen Schreiben, dem Motu proprio vom 25. Februar 2013, setzt Papst Benedikt nun dieser von ihm verfolgten stillen Strategie zugunsten der kirchlichen Rechten die Krone auf – vier Tage vor seinem Abgang aus dem Papstamt. Es ist dem allzu eindimensionalen bayerischen Dogmatiker längst über den Kopf gewachsen – in seiner Komplexität aus Theologie, Führung, Weltverantwortung, Spiritualität, Seelsorge und Politik.
Benedikt XVI. macht es mit seinem heutigen Motu Proprio möglich, dass mit der Wahl seines Nachfolgers deutlich früher begonnen werden kann als frühestens nach 15 Tagen ab seinem Rücktritt, wie es eigentlich festgelegt ist. Das Konklave könne starten, »sobald alle wahlberechtigten Kardinäle nach Rom gereist sind«, erklärte Benedikt heute.
Bevorzugt wird damit die römische Kurie. Sie stellt mehr als ein Viertel der insgesamt 115 Wahlmänner –; die ursprünglich 117 Konklaveteilnehmer haben sich bereits um zwei reduziert, weil der schottische Kardinal Keith O´Brien soeben wegen des Vorwurfs sexueller Annäherungen an Priester zurückgetreten ist, der indonesische Kardinal Darmaatmadja Julius Riyadi wiederum zu krank erscheint, um nach Rom reisen zu können.
Die römischen Kurialen bilden einen rabenschwarzen Block. Sie wollen mehr Zentralmacht und keine Kirchenreformen. Sie leben fernab der Gläubigen und pflegen ihre Macht- und Ränkespiele. Kommunikativ sind die römischen Kurienkardinäle allerbestens vernetzt, denn sie glucken dauernd miteinander.
Warum diese Eile bei der Papstwahl? Sie ist höchst verdächtig
Je schneller das Konklave beginnt, desto größer und gewichtiger ist der kommunikative Vorsprung der Römer und Italiener gegenüber den Kardinälen aus der Weltkirche – aus Sao Paulo, Manila oder Dar-es-Salam.
Beginnt das Konklave so früh, dass sich die von fern Herangereisten nicht in aller Ruhe austauschen und gemeinsam für den Wahlprozess aufstellen können, führen die reaktionären Italiener das Kommando. Dies droht nun Wirklichkeit zu werden.
Wie wenig Benedikt XVI. von den Kirchen rund um den Globus hielt, machte er letztes Jahr deutlich: Im Frühjahrskonsistorium erhob er nur Italiener und Europäer zu Kardinälen. Das führte zu so viel Ärger, dass er im Herbst »notgedrungen« ein halbes Dutzend Kirchenmänner aus Übersee zu Kardinälen erhob.
Der neue Papst solle unbedingt vor Ostern gewählt sein, begründet der Vatikan die verdächtige Eile. Weshalb eigentlich? Ist es nicht wichtiger, dass die Papstwahl ohne Zeitdruck stattfindet – und am Ende mit Zweidrittelmehrheit einen wirklich kompetenten, dem »unmöglichen« Amt gewachsenen Kardinal ins Amt des Bischofs von Rom befördert?
