Wem gehört Jesus?
Die Wiederentdeckung Jesu innerhalb des Judentums ist ein faszinierendes Phänomen. Sie führte von anfänglicher Distanz und ängstlicher Abgrenzung zu vorsichtiger Auseinandersetzung, später sogar zu einer richtiggehenden Heimholung Jesu ins Judentum. Diese jüngste Entwicklung eröffnet der Forschung ganz neue Zugänge: Betrachtet man Jesu Lehre aus der Perspektive der jüdischen Halacha, so zeigt Jesus sich als einer, der aus der Tradition heraus argumentiert, und nicht als der gefährliche Außenseiter früherer Jahrhunderte. Überraschend ist dabei vor allem die Tatsache, dass Jesus zu einer Gestalt in der jüdischen Literatur und Kunst geworden ist und so letztlich zu einer Identifikationsfigur innerhalb der Grenzen der jüdischen Kultur und Zivilisation. Jetzt sitzt Jesus »mit am Tisch«.
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Walter Homolka, geboren 1964, ist Rabbi, Professor für Jüdische Religionsphilosophie der Neuzeit und Leiter des Abraham-Geiger-Instituts in Potsdam. Der Artikel ist ein überarbeiteter Auszug aus seinem neuen Buch »Der Jude Jesus – Eine Heimholung«. Herder. Zum Weiterlesen: Christian Danz/Kathy Ehrensperger/Walter Homolka: Christologie zwischen Judentum und Christentum. Mohr Siebeck
