Was tun mit nicht mehr genutzten Kirchen?
Wenn Gott auszieht
Ein Bekenntnis vorweg: Ich liebe Kirchen. Egal, ob katholisch, evangelisch oder orthodox. Ob romanisch, gotisch oder barock. Ob aus Backstein, Sandstein oder Beton. Ob prominent im Dorf oder eingebaut in die Häuserfront einer Straße. Ich mag diese besondere Stille, die kühle Luft, das Spiel des Lichts. Wenn ich in eine fremde Stadt komme, orientiere ich mich gerne an Kirchtürmen. Aus Erfahrung weiß ich, dass in der Nähe oft ein schönes Gasthaus zu finden ist. Meist sind Kirchen umgeben von ansprechenden Plätzen, sie stehen am Ende von Sichtachsen oder auf dem Marktplatz. Man muss nichts konsumieren, kann seinen Gedanken nachhängen, sich abkühlen im wahren Sinne des Wortes. Von Lissabon bis Moskau bilden Kirchen gewissermaßen die Grammatik einer europäischen Stadt. Selbst in öden Vororten, in denen wenig Wert auf Architektur gelegt wurde, hebt sich der Kirchbau in aller Regel wohltuend ab. Die Supermärkte mit ihren riesigen Parkplätzen sehen immer gleich aus, doch keine Kirche gleicht einer anderen.
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