Das große Rätsel Zeit
Wie frei sind wir, unsere Zukunft zu bestimmen?
Schon der Heilige Augustinus bemerkte treffend, dass man die Zeit eigentlich nur versteht, wenn man nicht allzu genau über sie nachdenkt. Man gerät schnell an Grenzen des Verstehens. Auf den ersten Blick erscheint es so, als ob die Vergangenheit nicht mehr existierte und die Zukunft noch nicht existiert. Über die Zukunft machen wir uns viele Gedanken, obwohl sie noch gar nicht existiert. Aber über was machen wir uns dann Gedanken? Eine mögliche Zukunft? Und wo existiert diese? Es gibt nämlich keine Realität »da draußen«, die den Satz: »Im Jahre 2100 wird die globale Durchschnittstemperatur drei Grad höher sein« wahr oder falsch macht. Das Jahr 2100 und alles, was in ihm geschieht, existiert eben noch nicht. Aristoteles meinte deshalb, dass alle Sätze über die Zukunft weder wahr noch falsch sind. Vielleicht sind aber auch alle Sätze über die Zukunft einfach nur falsch, weil es die Zukunft nicht gibt. Aber das widerspricht unserer Intuition. Wie sollen wir da noch über die Zukunft sinnvoll reden? Schon erfasst uns der metaphysische Schwindel, vor dem Augustinus gewarnt hatte.
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Godehard Brüntrup ist Jesuit und lehrte als Professor für Metaphysik, Geistes- und Sprachphilosophie an der Hochschule für Philosophie in München. Er ist Visiting Professor an der Saint Louis University in Missouri/USA.

Gott neu denken
