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Geschlechtergerecht schreiben?

Sollten Binnen-I und das Gendersternchen * künftig im Duden, in Artikeln und Dokumenten stehen, damit sich alle Menschen berücksichtigt fühlen? Der Rat für deutsche Rechtschreibung kann sich bis heute nicht zu einer Empfehlung durchringen. Geschlechtergerecht schreiben? »Ja!«, sagt Redakteurin Anne Strotmann. »Nein!«, sagt Kollegin Elisa Rheinheimer-Chabbi
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Geschlechtergerecht schreiben? »Ja!«, sagt Anne Strotmann (links). »Nein, nicht nötig!«, sagt Elisa Rheinheimer-Chabbi (rechts). (Fotos: privat)
Geschlechtergerecht schreiben? »Ja!«, sagt Anne Strotmann (links). »Nein, nicht nötig!«, sagt Elisa Rheinheimer-Chabbi (rechts). (Fotos: privat)

»Ich verstehe nicht, warum man gegen das Bemühen ankämpfen sollte, dass man diejenigen die man meint, auch benennt. Klar sind wir alle Menschen, aber in der sozialen Realität sind manche eben doch gleicher als andere.

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Das Argument, geschlechtergerechte Sprache würde den Lesefluss stören, empfinde ich als vorgeschobene Ausrede. Auf die komplizierten Schrägstrichkonstruktionen der frühen Bemühungen um geschlechtergerechte Sprache mag das ja zutreffen. Aber gerade Binnen-I oder Genderstern stören wenig beim Lesen.

Ein anderes Gegenargument lautet, das »generische Maskulinum« sage nichts über das Geschlecht, »Lehrer« sei einfach die Grundform. Da bleibt es dennoch das Problem, dass »Lehrerin« die weibliche Sonderform ist, die nur Frauen markiert. Es ist real, dass zwischen Männern und Frauen unterschieden wurde und immer noch wird. Und dass das Kuriosum, ausnahmsweise von Frauen zu sprechen, mit -in markiert wird. Für Männer gibt es leider keine solche Sonderform, sie sind keine »Lehreriche«, sondern »Lehrer«, ganz normal eben.

Der Genderstern drückt am besten aus, dass alle Geschlechter gemeint sind. Und seit es ihn gibt, werden Binnen-I und weibliche Formen leichter akzeptiert. Man denkt zumindest mal darüber nach, von wem man sprechen will und wie man es ausdrückt. Gut so! Denn das Mantra, mit dem generischen Maskulinum seien doch alle Geschlechter »mitgemeint«, hält empirischen Untersuchungen nicht stand. Es mag ja sogar sein, dass jemand, der das generische Maskulinum verwendet, dabei auch Frauen, Transmenschen, Genderqueere im Kopf hat. Aber woher soll die Leserin das wissen, wenn es doch nicht da steht? Es ist doch die Funktion von Sprache, das, was in unseren Köpfen ist, auch möglichst so, wie wir es meinen, unserem Gegenüber zu transportieren. Unsere Sprache hat sich längst geändert, wie Sprache es eben tut. Es ist an der Zeit, dass Duden und Dokumente diese Wirklichkeit abbilden.«

Elisa Rheinheimer-Chabbi: »Nein! Geschlechtergerecht schreiben ist unnötig«

»Da ich mich im links-grünen Milieu bewege, fällt es mir schwer, gegen geschlechtergerechtes Schreiben zu argumentieren. Schließlich will ich nicht in eine Ecke mit konservativen Kreisen gestellt werden, denen ich mich nicht zugehörig fühle. Trotzdem sage ich: Binnen-I, Gendersternchen oder Unterstrich stören den Lesefluss. Sie führen gerade nicht zur Normalisierung der Geschlechtervielfalt, sondern betonen die Andersartigkeit. Dazu kommt: Fühlen sich wirklich alle, die sich weder als Mann noch als Frau definieren, durch ein * repräsentiert? Und ist es nicht bloß eine Frage der Zeit, bis auch das * als ungenügend oder diskriminierend gilt?

Natürlich beeinflusst Sprache unser Denken. Ich fühle mich als Frau zwar auch angesprochen, wenn von »Bürgern« die Rede ist, halte es aber durchaus für sinnvoll, von Ingenieurinnen und Erziehern zu sprechen, um Stereotype zu überwinden. Da mache ich gerne mit! Aber es gibt Grenzen. Denn erstens will ich die Sprache nicht ihrer Schönheit berauben. Zweitens bin ich der Ansicht, es gibt wichtigere Bereiche als ausgerechnet die Zeichensetzung, in denen es lohnt, für eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen zu kämpfen. Ich möchte, dass Zugewanderte und ihre Nachkommen als selbstverständliche Mitglieder der Gesellschaft angesehen werden. Ich wünsche mir, dass Frauen endlich genauso viel verdienen wie Männer. Ich will, dass niemand ausgegrenzt oder diskriminiert wird, der irgendwie anders ist. Das durch eine Scheindebatte über Sternchen, Striche erreichen zu wollen, ist absurd.

Drittens meine ich, dass * und Co. entgegen ihrer Intention zu einer Spaltung der Gesellschaft beitragen. Wenn in akademischen und politischen Zirkeln eine Sprache entwickelt wird, die sich von der Alltagssprache abhebt, zementiert dies in Teilen der Bevölkerung das Gefühl, es mit einer abgehobenen Elite zu tun zu haben, die sich für etwas Besseres hält. Der gut gemeinte Wunsch nach Inklusion wird so leicht ins Gegenteil verkehrt.«

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Personalaudioinformationstext:   Anne Strotmann, geboren 1985, ist Redakteurin in den Ressorts »Leben und Kultur« sowie »Theologie und Kirchen« von Publik-Forum.
Elisa Rheinheimer-Chabbi, geboren 1987, ist Redakteurin im Politik-Ressort von Publik-Forum.
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