Zur mobilen Webseite zurückkehren

Offen für Kunst: »Art und Amen«

Gottesdienste zum Beispiel mit besonderer Musik oder Theater: Wie können die Kirchen neue, fantasievolle Formen finden, um die Menschen anzusprechen? Unsere Leserfrage nehmen wir zum Anlass für eine Artikelserie. Teil drei: Die Kölner katholische Gemeinde St. Michael gründete mit Künstlern die Initiative »Art & Amen«. Welche besonderen Gottesdienste kennen Sie? Schreiben Sie uns
von Peter Otten vom 17.09.2013
Artikel vorlesen lassen
Kirche im Grenzbereich zwischen Kultur und Spiritualität: Die katholische St-Michael-Gemeinde in Köln liegt in einem Viertel, in dem viele Künstler, Medienschaffende und Studierende leben. Sie gestalten das Programm Art & Amen, das Lichtinstallationen, Konzerte, Lesungen, Musik bietet und die Kirche zum Stadtteil hin öffnet,  (Foto: Kremp)
Kirche im Grenzbereich zwischen Kultur und Spiritualität: Die katholische St-Michael-Gemeinde in Köln liegt in einem Viertel, in dem viele Künstler, Medienschaffende und Studierende leben. Sie gestalten das Programm Art & Amen, das Lichtinstallationen, Konzerte, Lesungen, Musik bietet und die Kirche zum Stadtteil hin öffnet, (Foto: Kremp)

Leserfrage von Margret Hillers, Frankfurt: Mich würde interessieren, welche besonderen Gottesdienstformen es in den Kirchen gibt.

Anzeige
loading

Die Kirche St. Michael befindet sich am Brüsseler Platz, mitten im Belgischen Viertel, einer sehr angesagten urbanen Gegend in Köln. Hier leben viele Kreative, Medienschaffende und Künstler, überproportional viele Singles, auch Studierende. St. Michael ist die drittgrößte Kirche in Köln. In den Boomzeiten der inzwischen mit zwei weiteren Gemeinden fusionierten Pfarrei gab es fünf Messen am Wochenende. »Das hat den Kirchbau legitimiert«, sagt Pastoralreferent Benedikt Kremp. Um eine Bewirtschaftung der Kirche heute noch zu rechtfertigen, müsse man die Kirche dem Viertel zurückgeben. »Es läuft was schräg, wenn im Sommer abends der Brüsseler Platz bevölkert ist, die Kirche aber geschlossen und nur dann offen ist, wenn die Menschen im Viertel schlafen oder arbeiten«, sagt Kremp.

Also trafen sich vor drei Jahren einige Anwohner, um dies zu ändern. Der Pfarrer hatte gezielt Menschen zu Hause besucht, sie nach ihren Bedürfnissen befragt und nach ihren Möglichkeiten und ihrer Motivation, sich an einem spirituell-kulturellen Angebot zu beteiligen. Entstanden ist die Kulturinitiative Art & Amen. »Da sind Künstler, Gastronomen oder auch Leute aus der Werbung dabei«, erklärt Kremp.

Musik, Kurzfilme, Konzerte und mehr

Art &Amen versammelt mehrere Formate unter einem Dach, mit denen unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden sollen. Da gibt es zum Beispiel offene Angebote, beispielsweise am Freitag, wenn der Brüsseler Platz von Hunderten junger Menschen bevölkert wird. In loser Folge steht die Kirche dann für Besucher offen.

Manchmal gibt’s Musik, eine Lichtinstallation oder anderes. Jeweils am ersten Freitag im Monat werden Kurzfilme jenseits des Mainstreamkinos gezeigt. Fest zum Programm von Art & Amen gehören Konzerte, Lesungen und musikalische Darbietungen, die zum Kommen, Gehen und Verweilen einladen. Konzerte finden meist am Sonntagabend statt – häufig in der dichten Atmosphäre der Krypta.

In den Sommermonaten wird die Kirche jeweils einmal monatlich am Samstagabend von 21.30 bis 22.15 Uhr in atmosphärisches Licht getaucht. Eine Kombination von Musik und sorgfältig ausgewählten Passagen biblischer Texte lädt zum Verweilen, Lauschen und Nachdenken ein. »Art & Amen bewegt sich in einem Grenzbereich: Einerseits erfassen wir Kirche als einem Kulturort und andererseits als einem dezidiert spirituellen Ort«, sagt Kremp. »Wir müssen die Offenheit ins Viertel suchen, wenn wir für die Kultur, die den Leuten hier wichtig ist und auch für das Viertel bedeutsam ist offen sein wollen.«

Als Kirche wolle man den Anschluss an die Ausdrucksformen der Gegenwart behalten. »Das hat doch jede Zeit gemacht, denken Sie nur an den Rokkoko«, sagt Kremp und lacht. »Was war das für ein Kulturschock! Und plötzlich begann man überall, die Kirchen auszumalen und auszuspachteln.« Heute falle eine derart offene Perspektive der Kirche seltsamerweise schwer. Vielleicht habe das mit der Beschleunigung zu tun, die auch die Verantwortlichen in der Kirche mitunter verunsichere. »Aber es hilft alles nichts: Das ist das Katholische an der Kirche, stets den Anschluss an die kulturellen Ausdrucksformen der Gegenwart zu halten.«

Gottesdienstreihe »Art & Amen experimental«

Auch bei Gottesdienstformen experimentiert man. Gerade wurde eine neue Gottesdienstreihe aufgelegt, die am 27. Juli begonnen hat und einmal im Monat in der Kirche unter dem Motto »Art & Amen experimental« stattfinden soll. »Wir geben die traditionelle Gottesdienstform in weiten Teilen auf. Die Leute können kommen und gehen, wann sie wollen. Niemand wird oben stehen und Texte vortragen. Es wird moderne Kirchenmusik zu hören geben und in der Kirche werden Impulsstationen aufgebaut, durch die sich die Menschen anregen lassen können«, sagt Kremp. Sie sollen zum Nachdenken, Lesen oder zum Gebet anregen. Um Mitternacht endet der Gottesdienst mit einer gemeinsamen Agapefeier.

Weitere Informationen:

Art & Amen experimental an jedem letzten Samstag im Monat in St. Michael, Brüsseler Platz, Köln. Kontakt: Benedikt Kremp (Pastoralreferent), E-Mail: benedikt.kremp@erzbistum-koeln.de

www.artundamen.de

Facebook: www.facebook.com/artundamen

4 Wochen freier Zugang zu allen PF+ Artikeln inklusive E-Paper
Personalaudioinformationstext:   Gibt es auch in Ihrer Gemeinde nichtalltägliche Gottesdienste? Dann schicken Sie uns eine kurze Beschreibung. Sie können das Rat-und-Tat-Kontaktformular benutzen oder Sie senden uns eine E-Mail an die Adresse redaktion@publik-forum.de, Betreff: Der andere Gottesdienst. Wir können nicht versprechen, dass wir jeden Gottesdienst vorstellen. Aber wir werden uns auf jeden Fall bei Ihnen melden und danken Ihnen schon jetzt.
Schlagwörter: Kirche Köln Kultur Kunst
Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0